Archiv für Februar 2009

Endlich gute Nachrichten!

Endlich mal gute Nachrichten auch für Timothy Grossman und Tobias Hackel, die Geschäftsführer des Babylon Mitte. Kündigungen können auch mit einem Verdacht begründet werden. Zum Beispiel mit dem Verdacht 1,30 Euro veruntreut zu haben. Für die Geschäftsführung des Babylon Mitte ergeben sich durch diese barbarisch asoziale Rechtsprechung völlig neue Perspektiven. Bisher feuern Grossmann und Hackel gern und häufig, aber irgendwie klappts bei aller Anstrengung bisher nicht so recht mit der problemlosen Mitarbeiterentsorgung.
Aber mit der Verdachtskündigung liesse sich die Kündigungsbilanz des Babylon deutlich verbessern: wie wärs mit dem Verdacht auf aufgedrehten Heizkörper, wo sich die Finger doch auch an der Kaffeemaschine wärmen lassen, oder dem Verdacht auf nur vorgespielte Freude an der Arbeit, die gar nicht von Herzen kommt?
Es lässt sich kein Kündigungsgrund ausdenken, der die realen Begründungsversuche der Babylon Mitte Geschäftsführung an Albernheit übertreffen könnte: Verbesserungsvorschläge für die Arbeitsbedingungen etwa, oder, ganz aktuell, „körperliche Unfähigkeit“ die sich daran festmachen lassen könnte, dass ein Mitarbeiter während seiner Schicht am Abend vor attestierter Krankheit auf seine aufziehende Krankheit hinwies.
Was übrigens alle genannten Fälle verbindet ist das Engagement der Betroffenen für bessere Arbeitsbedingungen gegen den Widerstand der Geschäftsführung.

Billy Bragg solidarisiert sich

Am vergangenen Sonnabend trat die britische Singer-Songwriter Legende Billy Bragg im Rahmen des Festivals Musik und Politik im Kino Babylon auf. Er ließ es sich nicht nehmen, sich mit dem Kampf der Babylon-Belegschaft zu solidarisieren und schob mit seinem Klassiker ”There is Power in a Union!” den passenden Song hinterher. Sehr zum Mißfallen von Timothy Grossman.
Zuvor hatten einige FAUistas das Publikum mit einem Flugblatt über die Situation im Babylon aufgeklärt.
Erstaunlich, dass diese Episode nicht in der ansonsten recht ausführlichen Konzertbesprechung im Neuen Deutschland Erwähnung fand. Mag es daran liegen, dass der Autor Thomas Grossman heißt?

„Förderungen müssen an Sozialstandards geknüpft werden“

Malah Helman (Schauspielerin, Autorin und engagiert im Vorstand des Filmverbandes in ver.di Berlin und im Landesverband der freien Theaterschaffenden für bessere Arbeitsbedingungen) wird das Babylon Mitte in nächster Zeit nicht mehr besuchen. Schade, denn natürlich freuen wir uns über alle Off-Kulturbegeisterte, die Freude am Babylon haben. In einem offenen Brief an Tobias Hackel, einen der Geschäftsführer des Babylon Mitte, begründet Malah Helman diesen Schritt und fragt sich:

warum trotz staatlicher Förderungen und/oder Sponsoren Arbeit nicht fair honoriert werden kann. Das Babylon ist natürlich kein Einzelfall. Es handelt sich vielmehr um einen flächendeckenden, branchenübergreifenden Trend. Ich glaube nicht, dass ein derartiges Vorgehen eine Gesellschaft befördern kann, und zwar weder im kulturellen und geistigen oder kreativen Sinne, noch in der Bildung und auch nicht im volkswirtschaftlichen Sinne.

Auf die sicher noch länger ausbleibende Antwort sind wir mindestens so gespannt wie Malah!

Film des Freundeskreises Videoclips

Es gibt einen etwa achtminütigen Film des Freundeskreises Videoclips:

Die Arbeitsbedingungen im Kino Babylon (Mitte) machen mal wieder Schlagzeilen. Wir sprachen mit Andreas Heinze vom Betriebsrat, Lars Röhm von der FAU (Freie ArbeiterInnen Union) und Jason Kirkpatrick, einem früheren Angestellten, der im Juli 2008 vors Arbeitsgericht zog. Kinochef Timothy Grossman stand für ein Interview nicht zur Verfügung.

Garniert wird das Ganze mit einem fundierten Artikel auf der selben Seite. Film als auch Artikel sind absolut empfehlenswert!

Jungle World zum Babylon

Auch der Wochenzeitung Jungle World sind inzwischen Szenen vor der Leinwand aufgefallen. Ein Artikel von Jana Brenner.