aufschlussreich wie fragwürdig

Aufschlussreich und fragwürdig zugleich ist der Artikel , der gestern in der taz erschien.
Der Autor Sebastian Heiser zitiert Torsten Wöhlert, Sprecher des Kulturstaatssekretärs Berlins André Schmitz folgendermaßen:

Die Geschäftsleitung hat uns gegenüber dargelegt, dass sie die Standards beachtet, dass es also zum Beispiel keine unbegründeten Kündigungen gibt

Der Sprecher stellt weiterhin klar, daß die Senatskanzlei nicht das Arbeitsgericht ersetze; das mag bedeuten, daß der Sprecher sich offenbar nicht um Objektivität zu bemühen hat. Gut möglich, daß aus der Kanzlei auch die Frage an die Geschäftsleitung des Babylon gerichtet wurde, weshalb im vergangenen Jahr kaum ein Mitarbeiter Erholungsurlaub erhielt. Eine Antwort würde dem Herrn Staatssekretär sicher einleuchten:
Unter den traumhaften Arbeitsbedingungen im Babylon Mitte wird jede Schicht zum Wellness-Urlaub, wer sollte da noch gesetzlich zugesicherten Urlaub beanspruchen?
Der phänomenal niedrige Krankenstand im Babylon Mitte muss entsprechend am kurhäuslichen Klima liegen, das im Betrieb herrscht. Wer sollte da eine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall verlangen?

Daß der Betriebsrat seine Anschuldigungen gegenüber dem Kulturstaatssekretär nicht untermauerte ist im übrigen richtig – von Senatsseite kam auch keinerlei Nachfrage an den Betriebsrat, Untermauerungen aller Art bietet dieser auf Anfrage gerne an.

Dem taz-Autor möchte die prekba-Redaktion derweil nahelegen, intensiver – auch im KollegInnenkreis – zu recherchieren. So hat die Babylon-Geschäftsführuing den Prozess gegen einen ehemaligen Angestellten im Sommer ’08 nicht etwa verloren, sondern lediglich nicht gewonnen. Ein Detail, das der Babylon-Geschäftsführung erfahrungsgemäß großes juristisches Engagement wert sein könnte.


1 Antwort auf “aufschlussreich wie fragwürdig”


  1. 1 Administrator 05. Februar 2009 um 13:25 Uhr

    Den taz-Artikel hat ein „Interessierter“ wie folgt kommentiert:

    „Es ist immer wieder interessant, wie kurz der Senat im Fall der Betreiber des Kinos Babylon Anfragen kommentiert.
    Aber am interessantesten finde ich, was hinter den nackten Zahlen steckt. Das Kino soll einen Gewinn im Jahr 2006 gemacht haben. Das stimmt so nicht, wenn man die Bilanz liest. Es hatte einen Finanzrahmen von ca. 320 000 Euro (s. Haushaltsplanung für 2006), erhalten hat es aber tatsächlich 439 900 Euro. (Eine detaillierte Beschreibung für die Nutzungsart fehlt in der öffentlichen Darstellung) Das ist eine Steigerung von 119 000 Euro. Auch besitzt das Kino nicht mehr 2 Säle, sondern seit Ende 2006 3. Säle.
    Ohne die zusätzlichen 119 000 Euro hätte das Kino einen Verlust von fast 90 000 Euro gemacht.
    Dem vorigen Betreiber hatte der Senat noch bei einem derartigen Defizit die Unterstützung versagt und den neuen Betreiber vorgestellt.
    Also frage ich mich im Zusammenhang mit den derzeitigen Personaldebatte:
    Woher kommen diese 119000 Euro, wo doch Berlin für restrikte Ausgabenpolitik steht?
    Woher kommt die Genehmigung und das Geld für den Bau eines 3. Saals, obwohl dies im Konzept bei der Vergabe abgelehnt wurde?
    Warum wurde das Geld nicht eher in die tarifliche Bezahlung und Schulung der Mitarbeiter gesteckt?“

    Zu finden unter:
    http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/filmreife-ausbeutermethoden/

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.