Verfassungsschutz im Arbeitskampf

Ausgerechnet mit Hilfe des Verfassungsschutzes geht die Geschäftsführung des Berliner Babylon Mitte gegen ihre Angestellten vor, die sich seit Monaten in Auseinandersetzungen um bessere Arbeitsbedingungen mit ihrem Arbeitgeber befinden.

Nachdem die Freie ArbeiterInnen Union (FAU) mit der Geschäftsführung bei einem gemeinsamen Treffen ins Gespräch kam, erarbeitete sie unter Beteiligung der Beschäftigten einen Tarifvertrag, der den Geschäftsführern vorliegt. Nun warnt die Chefetage die Mitarbeiter vor den gewerkschaftlich organisierten Kollegen: Wie im Verfassungsschutzbericht nachzulesen sei, habe sich die FAU an den Protesten gegen den G8 in Heiligendamm beteiligt und den Streik der Beschäftigten der Fahrradfabrik Nordhausen unterstützt. Beides versteht die Gewerkschaft wohl weniger als Kritik denn Darstellung erfolgreicher Aktivitäten.
Interessant werden die Vorwürfe durch (und für) die häufig ebenfalls unter Beobachtung durch den Verfassungsschutz stehenden Kooperationspartner die das Babylon oft beherbergt, darunter Kommunistische Parteien, Deutsch-Kubanische Solidaritätvereine, die Berliner Antifa und selbstverständlich die Linke, die das Haus im Senat mit hunderttausenden Euro an Unterstützungsgeldern versorgt. Dieses Spektrum ist den Mitarbeitern ein gern gesehener Gast – und für die Geschäftsführung offenbar eine profitable Marktnische.
Wie diese Mieter und Geschäftspartner sowie das zum grossen Teil linksliberale und alternative Publikum die Warnung vor den kapitalismuskritischen Kollegen verstehen werden bleibt abzuwarten. Dass sie durch diese Art der Publikums- und Partnerschelte dem Babylon weiter Schaden zufügen könnte, spielt für die Geschäftsleitung offenbar keine Rolle.