Boykott? Streikt doch!

(Anmerkung: Die FAU Berlin ruft seit dem 07.10.2009 nicht mehr zum Boykott des Babylon Mitte auf.)

Auf Anfrage wieso dem Boykott nicht schon ein Streik gefolgt ist, antwortet die FAU Betriebsgruppe im Babylon Mitte so:

Der Streik ist in unseren Augen das letzte Mittel im Arbeitskampf und wir hoffen, nicht durch eine noch länger anhaltende Kommunikationsverweigerung der Geschäftsführung auch noch zum Streik gezwungen zu werden. Im Babylon Mitte, das zum großen Teil nicht von kommerziellem Erfolg, sondern von hoher öffentlicher Förderung abhängig ist, kann ein Streik auch nur unter besonderen Bedingungen finanziellen Druck zur Einigung der Tarifparteien aufbauen. Zudem ist seit Beginn unserer Öffentlichkeitsarbeit schon ein deutlicher Besucherrückgang zu registrieren. Erstmals werden in diesem Monat zwei der drei Kinosäle für längere Zeit geschlossen bleiben. Unser Boykottaufruf lässt Kino und Kasse noch leerer werden. Zu streiken, wenn sowieso keiner mehr kommt macht wenig Sinn. Potentiellen Veranstaltern im Babylon Mitte können wir nur empfehlen zu prüfen ob der Ruf, den sich die Babylon-Geschäftsleitung gerade aufbaut zu ihrer Veranstaltung passt. Mit ungewöhnlich wenig Besuchern muss während des Boykotts von allen gerechnet werden.
Der rot-rote Senat schweigt bisher zu all dem. Vom Sprecher des Kulturstaatssekretärs war lediglich zu hören „die Politik“ dürfe sich nicht in Arbeitskämpfe einmischen, wenn sie nicht Arbeitgeber sei. Die Tarifautonomie achten auch wir als Gewerkschaft, sehen den Senat aber angesichts der immensen Fördergelder eben doch zu einem guten Teil in der Verantwortung eines Arbeitgebers. Durch unseren Aufruf zum Boykott möchten wir daher nicht nur auf die Geschäftsführung des Babylon Mitte einwirken, sondern auch dem rot-roten Senat den Denkanstoß vermitteln, seine Förderung besser an Standards zu knüpfen, die es einem breiten Publikum wieder ermöglichen das Babylon Mitte guten Gewissens zu besuchen.
Wir sind uns sicher gemeinsam mit der Geschäftsführung die Attraktivität des Babylon Mitte durch angemessene Arbeitsbedingungen auch für die jetzt ausbleibenden Besucher wieder enorm steigern zu können. Um diese Position zu untermauern bitten wir die boykottierenden Ex-Besucher die vorbereitete Erklärung zu nutzen.