Klimawandel / Aussperrung

(Anmerkung: Die FAU Berlin ruft seit dem 07.10.2009 nicht mehr zum Boykott des Babylon Mitte auf.)

Als Angriffsaussperrungen werden Arbeitskampfmaßnahmen bezeichnet, bei denen der Arbeitgeber ohne vorhergehenden Streik die Beschäftigte nicht mehr zur Arbeit kommen lässt und auch nicht mehr bezahlt. In Deutschland relativ unbekannt, ist dieses Vorgehen derzeit in Berlin zu beobachten: Im Babylon Mitte wird im August nur an jedem dritten Tag das Kino mit seinen drei Sälen regulär geöffnet sein. Ob der Senat, der das Kino mit mehr als 300.000 Euro jährlich fördert, dies unter einer verantwortungsvollen kommunalen Filmarbeit versteht ist offen. Die laufenden Kosten für die nicht bespielten Räume sind beträchtlich; die eingesparten Löhne minimal. Doch kaufmännisches Wirtschaften steht im Babylon nicht im Vordergrund, schiebt doch der Senat ein gut gepolstertes Finanzkissen zwischen Sessel und Sitzfleisch der Geschäftsführung.
Die Schliessungen sind vielmehr als Arbeitskampf von oben zu verstehen. Nachdem die Gewerkschaft FAU zum Boykott aufgerufen hat, antwortet die Chefetage im zweiten Monat in Folge mit massiver Spielplanreduzierung und deutlicher Reduzierung der Arbeitsstunden. Die Mitarbeiter, die sich mittlerweile auch von der Teilnahme an angeblich illegalen Betriebsversammlungen nicht abhalten lassen, sollen durch wegfallende Schichten mürbe gemacht werden, so einige Kollegen.
Die Geschäftsführung rechtfertigt die Schliessungen derweil mit „saisonal bedingtem“ Zuschauerrückgang. Nicht ganz falsch: der Sommer wird heiss werden im Babylon.


2 Antworten auf “Klimawandel / Aussperrung”


  1. 1 Entdinglichung 21. Juli 2009 um 11:27 Uhr

    apropos Klimawandel … ArbeiterInnen der von der Schliessung bedrohten Windkraftanlagenfabrik Vestas in Newport/Britannien haben gestern ihren Betrieb besetzt

  2. 2 hasilein 21. Juli 2009 um 12:38 Uhr

    Cool Grossman – wie John Wayne in The Alamo

    Tagline:
    They stood firing until they could stand no longer…156 MEN AGAINST A RAGING ARMY OF 7000!

    Bin mal gespannt, ob der Senat und der Kultur-Wowi ihm jetzt mal die Geldsicherung rausschraubt!

    Man stelle sich mal vor, das Arsenal-kino oder im Zeughaus -Kino – beides staatlich geförderte Kommunale Kinos in Berlin – würde so etwas passieren….

    Schon auch „verwunderlich“ dass die Berliner Zeitungen Morgenpost, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Berliner Kurier – sich so zurückhalten … oder z.B. die Grünen (Alice Ströver) oder die CDU (Monika Grütters) – die ja bei den Vergabemauscheleien der Flierl- Partei sehr auf den Putz gehauen haben .. jetzt so nicht von sich geben…

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