Schaum vorm Mund

Die Nerven der Babylon-Leitung scheinen allmählich blank zu liegen. Als zum Start des Freiluftkinos in Charlottenburg, das ebenso von den Herren Grossman und Hackel betrieben wird, eine stattliche Anzahl FAU-GewerkschafterInnen das Publikum über den Babylon-Arbeitskampf informieren wollte, platzte Timothy Grossman die Hutschnur. Der Maggy Thatcher vom Luxemburg-Platz bemühte sich höchstpersönlich, den Vorplatz des Schlosses von renitenten GewerkschafterInnen zu säubern und hetzte das Sicherheitspersonal auf diese los. Als dies nicht effektiv genug war, kontaktierte er die Polizei und war mit den Worten zu vernehmen: „Die lachen mich aus“. Das tat die Polizei anscheinend auch, ließ sie sich doch dennoch nicht blicken. Zeit für Grossman, die Sache selbst in die Hand zu nehmen! Eigenhändig stürmte er auf die GewerkschafterInnen los und riss ihnen die Flugblätter aus der Hand (ob dies schon als Diebstahl zu werten ist?), in einer Art und Weise, die an Handgreiflichkeit grenzte. Dem nicht genug, ging Grossman auch auf eine zahlende Kundin los, die trotz seiner Vertreibungsaktion auf einem Flugblatt bestand. Als er ihr dieses mit Schaum vor dem Mund aus der Hand riss, fühlte sie sich sichtlich angegriffen. „Don´t touch me!“ schallte es laut über den Vorplatz. Sie und ihre BegleiterInnen blieben schließlich dem Kino fern, so wie auch andere Besuchergruppen.
Interessant: Ungefähr zur selben Zeit leistete sich Theaterleiter Jens Mikat einen Aussetzer, als er vor dem Babylon Mitte einen FAU-Gewerkschafter am Arm packte und wegzuschieben versuchte.
Die FAU Berlin setzt ihre tägliche Präsenz vor den Einrichtungen Grossmans und Hackels fort, so dass es immer wieder Anlässe für kleine Ausraster ihrerseits geben wird. Mal sehen wie lange sich z.B. deren Medienpartner wie Radio Eins es sich leisten können, damit in Verbindung gebracht zu werden. Kein schönes Bild!


5 Antworten auf “Schaum vorm Mund”


  1. 1 hasilein 27. Juli 2009 um 10:05 Uhr

    Zum Freiluftkino Charlottenburg möchte ich noch folgendes bemerken.
    Als es um die Bewerbung für den Betrieb des Babylon-Kinos ging – da fragten sich auch einige Bewerber, wie es möglich war, dass das Gelände ohne öffentliche Ausschreibung an Timothy vergeben wurde. Eine Anfrage auf Vertragseinsicht wurde von der „Stiftung Preussischer Kulturbesitz“ nicht beantwortet – vielmehr verkündeten sie, es hätte keine gegeben – da darüber der „Chef“ bestimmt hätte und auch kann.. andererseits bei einem Wirtschaftsvolumen von über 100.000 € (leider weiss ich nicht mehr die exakte Höhe – sie könnte auch höher sein) es hätte zu einer öffentlichen Ausschreibung kommen müssen.
    And guess what?
    Wer sass im Stiftungsrat? Der „Genosse Kultursenator“ Flierl von der ex-PDS – der dann auch auf seine gutsherrliche -Stasi-Art den Zuschlag für Grossman organisierte.

  2. 2 hasilein 27. Juli 2009 um 13:09 Uhr

    Ergänzend möchte ich noch noch zu dem oben geschriebenen Worten hinzufügen:

    2002 empfahl Dr. Flierl in seiner Funktion als Senator in einem Schreiben der TLG, Grossman bei der Neuvergabe des Betriebs des Multiplex Kulturbrauerei zu berücksichtigen. (siehe auch Berliner Zeitung: 23.03.2002, Lokales, Marcel Gäding, Seite 24). Dass es dazu nicht kam, lag an der bereits getroffenen Entscheidung der TLG.

    Das 2003 vom Bezirksamt Pankow von Berlin, Abt. Kultur und Wirtschaft durchgeführte Interessenbekundungsverfahren zur Findung eines Betreibers der mit öffentlichen Mitteln aufwendig hergerichteten Freilichtbühne Weißensee endete im Zuschlag für Timothy Grossmans Firma „Kino & Konzerte GmbH“. Verantwortlich für die Durchführung des Verfahrens: Bezirksstadträtin Almuth Nehring-Venus (siehe auch „Freilichtbühne zum Schnäppchenpreis“ in der Berliner Zeitung 09.06.2004, Lokales, Stefan Strauß, Seite 24).

    2004 gestaltet Timothy Grossman mit seiner K & K erstmals ein Open Air Kinoprogramm unter dem Titel: ProSieben Kino Open Air Schloss Charlottenburg. Forsetzung 2005 angekündigt. Für die Vergabe zuständig: Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG); Ihr oberstes beschließendes Organ ist der Stiftungsrat, derzeitiger Stellvertreter des Vorsitzenden: Dr. Thomas Flierl.

    Das ganze Verfahren um das Babylon weist in höchstem Maße Ungereimtheiten auf. Dies kann weder von den Beteiligten noch von der Öffentlichkeit hingenommen werden.

    Die ganze Vorgeschichte der Babylonvergabe hier:
    http://www.cinetramp.de/conpresso/cartebl/detail.php?nr=743

  3. 3 herzilein 28. Juli 2009 um 16:28 Uhr

    zu diesem Thema verweise ich immer wieder gerne auf folgende Antworten auf eine Anfrage an den damaligen Kultursenator über seine Vergabepraxis beim Babylon.

    http://www.cdu-fraktion.berlin.de/im_parlament/kleine_anfragen/hochschule_forschung/intransparenz_oder_gar_guenstlingswirtschaft_wohin_mit_dem_babylon

    Am besten finde ich die Passagen über Erfahrung und Qualität des neuen Betreiberduos.

    Und nicht zu vergessen Punkt 8:

    …… „Es ist davon auszugehen, dass der künftige Betreiber des Babylon mit einer institutionellen Förderung in Höhe von 320.700 € jährlich auskommen muss.“

    Uups, da muss dem Senat aber im Jahre 2006 schon ein wenig der Puls gegangen sein, als sie erkannt haben, dass fast 120000 € mehr an das Babylon überwiesen wurden, um überhaupt eine ausgeglichene Bilanz vorweisen zu können.

    Uups, wie ist aber das dann zu erklären, warum der Verein schon bei 78000 € Mietschulden auf die Strasse gesetzt wurde. Und die neuen Heilsbringer des Kommunalen Kinos gleich im 2. Jahr zwar 22.000 € Gewinn machen, aber nur weil ihnen statt festgesetzten 320000 Euro fast 440000 € überwiesen wurden. Berlin hat es ja.

    Vielleicht weil Herr Grossmann doch still und heimlich seinen 3. Saal baute, wo doch diese Idee noch bei der Interessenbekundung abgelehnt wurde.

    oder aber die Abfindungen drückten, die an die altmitarbeiter gezahlt werden mussten und jetzt finanziell juckten. Auch hier ein kleiner Verweis auf Herrn Flierls Antwort: … Alle Bewerber sind auf die Problematik eines möglichen Betriebsübergangs nach § 613a BGB hingewiesen worden….

    bei Herrn Grossmann scheinbar nicht.

    wer die Antworten von Herr Flierl liest und die derzeitige Situation im Babylon wahrnimmt, kann nur mit dem Kopf schütteln.

    Nun ja, Flierl ist weg, aber Wowi noch da. Also Herr Bürgermeister, sie sind verantwortlich. Also tun sie endlich was.

    Und für alle nocheinmal Flierls Worte:

    Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Kleine Anfrage wie folgt:
    1. Warum wurde mittels des Interessenbekundungsverfahrens nicht wie geplant für das Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz ein Betreiber zum 01.03.2005 gefunden?
    Zu 1.: Die im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens beratend eingesetzte Findungskommission hatte keinen Betreiber gefunden, den sie ohne Einschränkungen empfehlen konnte. Deshalb konnte der Zeitplan nicht eingehalten werden.
    2. Warum wurde dem Filmkunsthaus Babylon e.V. bereits am 18.02.2005 ohne Angabe von Gründen mitgeteilt, er sei aus dem Verfahren ausgeschieden?
    Zu 2.: Da sich abzeichnete, dass ein neuer Betreiber für das Kino nicht bis zum 1. März 2005 gefunden werden würde, fand am 17. Februar ein Gespräch mit dem Babylon e.V. bei der Staatssekretärin für Kultur mit dem Ziel statt, den Kinobetrieb über den Februar hinaus zu sichern. Die Staatssekretärin fragte die Vertreter des Babylon e.V., ob sie bereit seien, den Betrieb weiterhin sicherzustellen. Sie müsse allerdings aus Gründen der Fairness mitteilen, dass der Verein für den langfristigen Betrieb des Kinos nicht mehr in der engeren Auswahl sei. Am 18. Februar wurde nichts mitgeteilt.
    3. Welche Aussage der vom Senat eingesetzten Findungskommission gab dem Senator das in der Berliner Abendschau geäußerte Gefühl, dass der bisherige Betreiber personell und finanziell nicht in der Lage sei, das Haus weiter zu bespielen?
    Zu 3.: Die finanziellen Schwierigkeiten des bisherigen Betreibers waren bekannt und konnten bis einschließlich 2004 nur durch zusätzliche finanzielle Mittel von Seiten der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur aufgefangen werden. Dennoch hatte der Verein seit Mai 2004 Mietschulden in Höhe von 78 T€ angehäuft und darüber die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur erst am 15. September 2004 informiert. Da eine weitere finanzielle Unterstützung unter diesen Umständen ausgeschlossen war, erklärte der Verein im November, den Spielbetrieb zum 1. Dezember 2004 einstellen zu müssen. Im Zuge der Bewerbung des Vereins im Rahmen des Interessenbekundungsverfahrens hatten die bisherigen Betreiber erklärt, dass die Leiterin des Kinos ausscheiden werde. Eine neue Leitung wurde der Findungskommission nicht präsentiert.
    4. Wenn die personellen und finanziellen Aspekte eine solche Bedeutung hatten, warum sind verschiedene Bewerber – unter anderem auch der Filmkunst Babylon e.V.- zu diesen Themen in der Vorbereitung zur ersten Vorstellungsrunde nicht befragt worden?
    Zu 4.: Die Bewerber sind hierzu in der Vorstellungsrunde am 19. Januar 2005 befragt worden.
    5. Trifft es zu, dass die Auswahlkommission im Februar 2005 erheblich verkleinert wurde? Wenn ja, warum? Wie setzte sich die Auswahlkommission seit Februar 2005 zusammen und worin liegt die fachliche Kompetenz der Mitglieder? Ist der Senat der Meinung, dass diese Kommission in der Lage ist, die vorgelegten finanziellen Konzepte einschließlich der darin gemachten Annahmen kritisch zu prüfen?
    Zu 5.: Die Findungskommission hatte mit der Abschlussbewertung, die keine eindeutige und uneingeschränkte Empfehlung für einen Bewerber enthielt, ihre Arbeit beendet. In ihrer abschließenden Sitzung hatte die Findungskommission empfohlen, die Suchkriterien auf der Basis des im Interessenbekundungsverfahren benannten Profils zu erweitern und „eine nochmalige Durchsicht und Prüfung der eingereichten Konzepte unter der Prämisse eines veränderten Programmprofils“ vorzunehmen (Protokoll der Sitzung vom 04.02.2005). Genau das hat die zuständige Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur getan und sich dabei der fachlichen Unterstützung der für die Medienpolitik zuständigen Senatskanzlei und des für die Filmförderung zuständigen Medienboard Berlin-Brandenburg vergewissert.
    6. Welche Bewerber wurden zu einer zweiten Vorstellungsrunde eingeladen? Wie begründet sich deren Auswahl?
    Zu 6.: Es wurden zum 4. März 2005 drei Bewerber zu einer weiteren Vorstellungsrunde eingeladen, bei denen zusätzlicher Informationsbedarf zur Meinungsbildung bestand. Das waren die Kino & Konzerte GmbH und die interfilm Berlin Management GmbH, die bisher noch nicht angehört worden waren, sowie das Hackesche Höfe Filmtheater/Kino Central. Letztere waren bereits von der Findungskommission geladen worden, dennoch bestand hier weiterführender Informationsbedarf. Alle drei Bewerber hatten Konzepte eingereicht, die jene von der Findungskommission empfohlene Öffnung des Profils enthielten und darüber hinaus wirtschaftlich Tragfähigkeit erkennen ließen. Ein vierter, von diesem Gremium in die engere Auswahl genommener Bewerber, die EYZ Kino GbR, wurde nicht geladen, weil hier aufgrund der Präsentation vor der Findungskommission und später nachgereichter schriftlicher Auskünfte kein weiterer Informationsbedarf bestand, um sich eine abschließende Meinung bilden zu können.
    7. Mit welchen Bewerbern wurden nach der zweiten Vorstellungsrunde Verhandlungen geführt?
    Zu 7.: Nach der Vorstellungsrunde bestand Einigkeit darüber, dass das von Herrn Grossman und Herrn Hackel (Kino & Konzerte GmbH) präsentierte Konzept am nachhaltigsten überzeugt hat und mit diesem Bewerber Gespräche aufgenommen werden sollen. In den folgenden Gesprächen der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur mit diesem Bewerber ging es um die Bonität und um die wirtschaftliche Abgrenzung der Bereiche Programmkino und kommunales Kino.
    8. Hat der Senat die Bedingungen des Interessenbekundungsverfahrens nachträglich geändert oder ist die Vergabeentscheidung auf der Grundlage des ursprünglich veröffentlichen Textes erfolgt?
    Zu 8.: Da es sich um kein Vergabeverfahren gehandelt hat, gab es auch keine Vergabeentscheidung oder Verhandlungen hierüber.
    Die im Punkt 2) formulierten Bedingungen für das Interessenbekundungsverfahren wurden beibehalten. Hier hieß es:
    „Ziel dieses Aufrufs zur Interessenbekundung ist die Ermittlung eines künftigen Betreibers, der die Erhaltung des Babylon als kommunales Kino in kultureller und wirtschaftlicher Eigenverantwortung sichert. Erwartet wird ein Konzept, das die langjährige Tradition dieses Ortes als Filmkunsttheater weiterführt. Als Vermittler von Filmkultur, Filmgeschichte und Filmgegenwart – mit besonderen internationalen, (ost)europäischen und deutsch-deutschen Programmschwerpunkten – soll das Kino als Treffpunkt des cineastisch interessierten Publikums weiterhin künstlerische und filmhistorische Akzente setzen.
    Es ist davon auszugehen, dass der künftige Betreiber des Babylon mit einer institutionellen Förderung in Höhe von 320.700 € jährlich auskommen muss.“
    9. Warum ist mit dem Betreiber des Balazs-Kinos (Herrn T. G.) ein Betreiber favorisiert worden, dessen eingereichtes Konzept (Stichtag 31.12.04) von der ursprünglichen Findungskommission in der ersten Runde als ungeeignet eingestuft wurde?
    Zu 9.: Die Bewerber G. und H. sind nicht als ungeeignet eingestuft worden.
    Vielmehr wurden nach der von der Findungskommission empfohlenen Öffnung des Profils und nochmaligen Durchsicht und Prüfung der eingereichten Konzepte (s. Antwort zu Frage 5), mit der Kino & Konzerte GmbH und der interfilm Berlin Management GmbH zwei Bewerber eingeladen, die von der Findungskommission wegen der in ihren Konzepten enthaltenen programmatischen Öffnung in der ersten Runde keine Berücksichtigung gefunden hatten.
    Nachdem Herr G. und Herr H. in der Vorstellungsrunde am 4. März am nachhaltigsten überzeugten, wurden weiterführende Gespräche mit diesem Betreiber geführt (s. Antwort zu Frage 7).
    10. Ist es möglich, dass dieser Bewerber durch die Senatsverwaltung oder ein Mitglied der verkleinerten Findungskommission bei der Nachbesserung des Konzepts gezielt unterstützt wurde oder dass ihm direkt oder indirekt Zugang zu den Konzepten der anderen Bewerber gewährt wurde, wenn nein, wodurch ist dies auszuschließen?
    Zu 10.: Nein. Zweck aller Gespräche mit den Bewerbern für den Kinobetrieb war es, detailliertere Informationen zu den eingereichten Konzepten zu erlangen, um so zu einer begründeten Vergabe-Empfehlung an den Senator Dr. Flierl zu gelangen. Zugang zu Konzepten anderer wurde keinem Bewerber gewährt.
    11. Hat sich der Senator Dr. Flierl in der Vergangenheit bereits für den Betreiber des Balazs-Kinos als möglichen Betreiber von Kultureinrichtungen eingesetzt oder aufmerksam gemacht?
    Zu 11.: Im März 2002 hat Senator Dr. Flierl in einem Schreiben an die TLG die Bewerbung der Betreiber des Kino Balazs für das Kino auf dem Gelände der Kulturbrauerei unterstützt, da das Konzept gut zu den von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur geförderten Einrichtungen auf dem Gelände passte. Die TLG hat seinerzeit einen anderen Bewerber ausgewählt.
    12. Beinhaltet das vorn Balazs-Kino vorgelegte Konzept Elemente eines Programmkinos?
    Zu 12.: Der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur liegt kein Konzept des Balazs-Kinos vor. Richtig ist, dass das von der Kino & Konzerte GmbH präsentierte Konzept Elemente eines Programmkinos enthält, die jedoch klar vom kommunalen Kino abgegrenzt sind.
    13. Worin liegen – im Vergleich zu den anderen Bewerbern – die besonderen personellen und finanziellen Vorzüge der Betreiber des Balazs-Kinos?
    14. Worin liegen die Erfahrungen von Herrn G. beim Betrieb eines kommunalen Kinos?
    Zu 13. und 14.: Das wirtschaftliche Konzept der Kino & Konzerte GmbH, respektive der Neue Babylon Berlin GmbH , lässt nachhaltige Tragfähigkeit erwarten. Es knüpft zudem explizit an die im Interessenbekundungsverfahren formulierten Traditionslinien des Babylon an. G. und H. haben darüber hinaus ausgewiesene Erfahrungen im Bereich Stummfilm und osteuropäischer Film. G. selbst hat früher im Babylon gearbeitet und verfügt daher über Erfahrungen mit dem Betrieb eines kommunalen Kinos.
    15. Ist in dem jetzt favorisierten Konzept die Übernahme des bisherigen Personals eingeplant? Wenn nein, wie sieht der Senat die Risiken, dass sich die bisherigen Mitarbeiter aufgrund des Rechtsinstituts des Betriebsübergangs einklagen? Ist für diesen Fall finanzielle Vorsorge getroffen worden?
    Zu 15.: Alle Bewerber sind auf die Problematik eines möglichen Betriebsübergangs nach § 613a BGB hingewiesen worden.
    16. In welchem Umfang sind Mittel des Landes und der Stiftung Deutsche Klassenlotterie zum Erhalt und zur Rekonstruktion des Kinos Babylon aufgewendet worden?
    Zu 16.: Folgende Mittel sind aufgewendet worden:
    a) 585.381,27 DM Mittel des Landes Berlin (Landesdenkmalamt)
    b) 2.762.742 DM (Baukostenzuschuss) Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“
    c) 2.762.742 DM (Baudarlehen) Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“
    d) 2.995.000 DM DKLB-Stiftung
    17. Wie beurteilt der Senat, dass in einem Kino, das mit erheblichen öffentlichen Mitteln rekonstruiert wurde, zumindest teilweise ein kommerzielles Programmkino betrieben wird?
    Zu 17.: Die Mittel zu a-c) sind unabhängig von der Nutzung als kommunales Kino gewährt worden. Die Mittel zu b) und c) hat der private Hauseigentümer erhalten. Zuwendungszweck der DKLB-Förderung waren bauliche Maßnahmen im Zusammenhang mit der Wiederinbetriebnahme des Kinosaals inkl. Ausstattung und Technik sowie zum Ausbau einer zweiten Spielstätte.
    18. Geht der Senat davon aus, dass anderen Betreibern von Programmkinos, die keine direkten oder indirekten öffentlichen Mittel erhalten, es hinnehmen werden, wenn im Babylon – zumindest teilweise – ein öffentlich geför-dertes Programmkino betrieben wird?
    19. Hat der Senat die Möglichkeiten anderer Betreiber, mit rechtlichen Mitteln gegen eine solche Bespielung vorzugehen, geprüft?
    Zu 18. und 19.: Im Babylon soll kein öffentlich gefördertes Programmkino betrieben werden. Die Förderung bezieht sich ausschließlich auf das kommunale Kino. Deshalb sieht der Senat keine rechtliche Möglichkeit anderer Betreiber, gegen die Förderung vorzugehen. Die Klage gegen den Zuwendungsbescheid, die ein Teil der Mitbewerber vor dem Verwaltungsgericht Berlin erhoben hat, bezieht sich nicht auf das Betreibermodell, sondern auf das Auswahlverfahren. Diese Klage war mit einem Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz verbunden mit der Folge, dass die Zuwendung auf der Grundlage des Zuwendungsbescheides nicht ausgezahlt wurde.
    Um einer möglichen erneuten Schließung des Kinos aufgrund eines langwierigen Verfahrens entgegenzuwirken, hat sich die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur entschieden, den Zuwendungsbescheid zu widerrufen und das Auswahlverfahren in den Stand vor der Auswahlentscheidung zurück zu versetzen. Das Klagebegehren der Mitbewerber hat sich damit erledigt. In dem weitergeführten Verfahren haben alle Bewerber die Möglichkeit, ihr Konzept nachzubessern und um einen kommerziellen Teil zu erweitern.
    Der Widerruf des Zuwendungsbescheides gegenüber der Neue Babylon Berlin GmbH ist nicht dahingehend misszuverstehen, dass die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur das bisherige Verfahren für fehlerhaft hält. Aufgrund des durch die Mitbewerber eingelegten Rechtsmittels und in Anbetracht eines möglichen langwierigen gerichtlichen Verfahrens ist die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur jedoch überzeugt, dass die Fortführung des Verfahrens am ehesten geeignet ist, eine dauerhafte Bespielung des Babylons in naher Zukunft zu garantieren.
    20. Wie schätzt der Senat die Gefahr ein, dass von den Filmverleihern für eine solche gemischte Bespielung keine Filme bereitgestellt werden, und welche Auswirkungen hätte eine solche Situation auf das finanzielle Konzept?
    Zu 20.: Eine solche Gefahr sieht der Senat angesichts der Fülle von jährlich auf den Markt kommenden Filmen nicht.
    21. Wird der Senat dem Betreiber in einem solchen Fall weitere Mittel zur Verfügung stellen?
    Zu 21.: Siehe Antwort zu 20.
    Berlin, den 23. Juni 2005
    Dr. Thomas Flierl
    Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur
    (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 05. Juli 2005

  4. 4 Hendrick 16. November 2010 um 16:53 Uhr

    Die Praxis zeigt: Herr Grossman ist sich für aber auch gar nichts zu schade. Sei es Klos putzen, stets genervt zu gucken, Demonstranten und Gäste zu vertreiben oder ein Stummfilmfestival vor die Wand zu fahren. Was kommt als Nächstes?
    Berlin sei froh, dass die anderen Kinobetreiber eine ganze Menge mehr von ihrem Geschäft verstehen (so daß sie ohne Subventionen und sonstige Kuriositäten auskommen), sonst wäre diese Stadt um eine ganze Kulturlandschaft ärmer.

  1. 1 Timothy Grossman – Der Margaret Thatcher vom Rosa-Luxemburg-Platz « prekba – prekäres babylon Pingback am 28. Juli 2009 um 21:35 Uhr
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