Sehr geehrter Herr Köhn

Offener Brief. Berlin, den 3. September 2009.

Ver.di unterläuft Arbeitskampf im Kino Babylon Mitte.

Sehr geehrter Herr Köhn,

mit Interesse nahmen wir heute zur Kenntnis, dass Sie der Geschäftsleitung des Berliner Kinos Babylon Mitte Verhandlungen über einen Tarifvertrag angeboten haben. Unsere Gewerkschaft befindet sich dort in einem offenen Tarifkonflikt. Die Tatsache, dass Sie in dieser Situation in Kontakt mit der Babylon-Geschäftsleitung treten, ohne zuvor mit der arbeitskampfführenden Gewerkschaft in Verbindung zu treten, erweckt den Anschein, dass es sich hierbei um den Versuch handelt, den Arbeitskampf zu unterlaufen — eine Vorgehensweise, die sonst nur bei sog. gelben Gewerkschaften üblich ist.

Ihre Gewerkschaft hat in diesem Kino bisher keine Rolle gespielt und es gab keinerlei Bemühungen Ihrerseits, die Interessen der Belegschaft zu vertreten. Zudem gingen dem von Ihnen angestrebten Tarifvertrag keinerlei Absprachen mit der Belegschaft voraus. Ihre Initiative erscheint nicht sonderlich demokratisch. Es macht den Eindruck, dass Sie sich in diesem Konflikt politisch instrumentalisieren lassen. Womöglich liegen Ihnen falsche Informationen vor, die Sie zu diesem Schritt veranlasst haben. Gerne nennen wir Ihnen deshalb ein paar Fakten, die Sie interessieren dürften: der von uns vorgelegte Entwurf für einen Haustarifvertrag wurde in enger Zusammenarbeit mit fast der gesamten der Belegschaft erarbeitet; unser Organisierungsgrad im Betrieb liegt momentan bei einem Drittel; Streikmaßnahmen befinden sich in Vorbereitung.

Angesichts dieser Tatsachen ist Ihre Intervention völlig inakzeptabel; sie rückt Ihre Gewerkschaft in ein äußerst schlechtes Licht. Wir fordern Sie auf, Ihre Bemühungen, mit der Babylon-Geschäftsleitung einen Tarifvertrag an der Belegschaft vorbei abzuschließen, unverzüglich einzustellen. Sollten Sie ernsthaftes Interesse an den Belangen der Babylon-Belegschaft haben, so können Sie gerne mit uns, der stärksten Arbeitnehmervertretung im Betrieb, in Verbindung treten, um die Möglichkeit einer Tarifgemeinschaft zu erörtern. Alles andere ist unter den gegebenen Umständen völlig indiskutabel.

Mit gewerkschaftlichen Grüßen

Lars Röhm (Sekretär des Allgemeinen Syndikats der FAU Berlin)


2 Antworten auf “Sehr geehrter Herr Köhn”


  1. 1 prekba 05. September 2009 um 12:12 Uhr

    „Ist Andreas Köhn, der ver.di-Landesvorsitzende nicht ein persönlicher Kumpel von von Grossman?“
    Interessante Frage, die Klaus im Kommentar vom 3. 9. stellt.
    Fest steht: Andreas Köhn (Fachbereichseiter Medien, Kunst und Druck und stellv. Landesbezirksleiter von ver.di Berlin-Brandenburg) scheint gerne selbstherrlichen Chefs mit SED-Kontakten zur Seite zu springen, sobald diese sich von unzufriedenen Mitarbeitern bedrängt wähnen: In der streikenden Redaktion der „Jungen Welt“ suchte Köhn schon 1997 nach Streikbrechern:
    „Am 22. Mai (1997) wird bekannt, dass Andreas Köhn, der stellvertretende Landesvorsitzende der IG Medien, statt sich auf die Seite der Streikenden zu stellen, versucht, innerhalb der Redaktion Streikbrecher für Koschmieder anzuwerben. Ein entsprechender Rekrutierungsversuch wird auf einem Anrufbeantworter aufgezeichnet.“ (Jungle World Nr. 26, 27. Juni 2007)
    die wenigen ver.di-Mitglieder die es im Babylon Mitte ausserhalb der Geschäfts- und Theaterleitung bislang noch gibt, können sich auf interessante Telefonate freuen.

  1. 1 Update: Chronologie zum Konflikt im Kino Babylon « prekba – prekäres babylon Pingback am 17. Dezember 2009 um 15:50 Uhr
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