Das Image des Babylon als „linkes Kino“ wurde im Arbeitskampf häufig bemüht. KritikerInnen des Arbeitskampfes verwiesen gerne darauf, dass das Babylon ein linkes, engagiertes Kinoprogramm zu bieten hätte. Das Interesse der Beschäftigten an würdigen Löhnen und Arbeitsbedingungen sollte so relativiert werden. Ungeachtet der Tatsache, dass das Kino tatsächlich zu Teilen mit einem progressiven Programm aufwarten kann, muss sich gerade ein „linker Betrieb“ in erster Linie an seinem Umgang mit den Beschäftigten, an Lohngerechtigkeit und Mitbestimmung messen lassen. Unter diesem Stichpunkt schneidet die Geschäftsführung mit ihrem frühkapitalistischen Gebaren kaum gut ab:
Die Nichtanerkennung der stärksten Gewerkschaft im Betrieb und das rigorose Vorgehen gegen diese, in Form von Klagen wegen Hausfriedensbruch und juristischen Rundumschlägen (wie zuletzt im Bezug auf den Boykottaufruf) fügen sich formgerecht in dieses Bild. Abgerundet wird dieses, nimmt man die Kanzlei genauer unter die Lupe, die das Babylon zuletzt vertrat. Jene Kanzlei, „Hogan Hartson & Raue“, wurde 2008 als „JUVE Kanzlei des Jahres im Arbeitsrecht“ ausgezeichnet. JUVE wiederum ist ein Verlag für juristische Informationen, der unternehmerorientiert ist und sich gezielt an wirtschaftsberatende Kanzleien richtet. Im letzten Jahr zeichneten sie Hogan Hartson & Raue insbes. aufgrund ihrer Tätigkeiten für Unternehmer aus, die sich z.B. im Tarifstreit mit Gewerkschaften (u.a. ver.di) befanden. Zu ihren Mandaten gehörten und gehören Unternehmen und Organisationen, die nicht gerade einen guten öffentlichen Ruf unter wirtschaftskritischen BürgerInnen genießen. Eine Kostprobe: die Berliner Verkehrsbetriebe, die Industrie- und Handelskammer Berlin oder Bertelsmann.
Für welche inhaltliche Stoßrichtung die Kanzlei steht, kann man demnächst auch auf dem FOCUS-Symposium „Arbeitsrecht 2009“ beobachten. Dort wird der Kanzleioberste Dr. Gernod Meinel zum Thema „Tarifvertrag – Chance für innovative Gestaltungen?“ referieren. Die inhaltlichen Eckpunkte seines Vortrages lesen sich zumindest wie eine Unterweisung für Arbeitgeber, wie diese am besten ihre Beschäftigten hinter die Fichten führen können. Man mache sich selbst ein Bild:
- Kostensenkung und Sanierung durch Tarifvertrag
- Tarifwechsel: praktische Erfahrungen, Kostensenkungen sowie Besitzstandsregelungen
- „Blitzaustritt“ aus dem Arbeitgeberverband
- Umgang mit Mindestlöhnen
Gleich und gleich gesellt sich nun mal gern. Die Babylon-Geschäftsführung hat sich offensichtlich gut beraten lassen und sich Profis engagiert in Sachen störender Arbeitnehmerinteressen.
Das sollte natürlich alles nicht überraschen. Man erinnere sich nur daran, dass eine der ersten Veranstaltungen im Babylon Mitte ein CDU-Parteitag war. Oder etwa an den neuerlichen Auftritt dort von Wolfgang Schäuble.
Linkes Kino? Wohl eher nur eine nettes Etikett.
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