In Bezug auf das Babylon wurde schon öfter die Tatsache einer jährlichen, hohen Fördersumme ohne jegliche soziale Auflagen bei den Beschäftigungsverhältnissen diskutiert. Das dies bei weitem kein Einzelfall ist, konnte man heute in den Nachrichten erfahren.
Bei der Implosion des Quelle-Konzerns wird wohl auch ein von einer Quelle-Tochterfirma betriebenes Callcenter in Kreuzberg schließen, das vom Senat massiv gefördert wurde. Es flossen nicht nur 1,3 Millionen Euro Investitionsförderung, sondern auch noch je 2500 Euro Kopfprämie für 36 eingestellte Mitarbeiter, die danach für Löhne von etwas mehr als 6 Euro brutto schuften und mit Hartz IV aufstocken durften – Quelle kassierte also mindestens dreifach ab. Die Fördergelder müssten wohl eigentlich zurückgezahlt werden, weil eine 10jährige Arbeitsplatzgarantie damit verbunden war, aber da greift ja jetzt das Zauberwort „Insolvenzmasse“ – C‘est la vie. Soweit der ganz normale Wahnsinn des real existierenden Kapitalismus.
Interessant, wie sich der Wirtschaftssenator Wolf zu der bedauerlichen, völlig legal ausgenutzten Gesetzeslücke des Förderns ohne zu Fordern äußert:
Inzwischen hat die Wirtschaftsverwaltung die besondere Vermittlungsleistung an die Bedingung geknüpft, dass die Unternehmen mindestens 25.000 Euro Bruttoeinkommen pro Jahr zahlen, also einen Stundenlohn von über acht Euro. „Wir unterstützen keine Dumpinglöhne“, stellt Wolf klar.
(Zitat: taz)
Zumindest in der Wirtschaftsverwaltung ist man sich also darüber im Klaren, daß Löhne unter 8 Euro Dumpinglöhne sind. Es gibt also noch Hoffnung. Vielleicht begreift das eines Tages auch noch die Kulturverwaltung bei ihren Fördertöpfen oder zum Beispiel ein ver.di Chefunterhändler. In der Zwischenzeit kann man den Beschäftigten nur empfehlen, sich selbst zu organisieren und für ihre Rechte selber zu kämpfen – egal ob in Kinos, Callcentern oder bei den Gebäudereinigern.
1 Antwort auf “Wirtschaftssenator bestätigt: Unter 8 Euro brutto ist Dumpinglohn”