FAU Berlin distanziert sich von ver.dis Tarifverhandlungen im Babylon Mitte

Pressemitteilung der FAU Berlin
Berlin, den 1. November 2009

Seit Mittwoch, dem 28.10.2009, verhandelt ver.di-Bezirksvize Andreas Köhn mit der Babylon-Geschäftsführung offiziell über einen Haustarifvertrag. Die im Betrieb vertretene FAU Berlin distanziert sich ausdrücklich von diesen Verhandlungen und gibt bekannt, dass sie eine weitere Zusammenarbeit mit Köhn ausschließt.

Trotz heftiger Kritik an der ver.di-Tarifinitiative, mit welcher der laufende Arbeitskampf im Babylon Mitte unterlaufen wurde, hatte sich die FAU Berlin bis zuletzt bemüht, mit ver.di zu einer Tarifgemeinschaft zu gelangen. Damit versuchte sie, einen einstimmigen Beschluss der Betriebsversammlung umzusetzen, der ein gemeinsames Vorgehen beider Gewerkschaften verlangt.

Lars Röhm, Sekretär der FAU Berlin, dazu: „Für uns gab es von Anfang an nur einen gangbaren Weg, nämlich direkt über die Bildung einer Tarifgemeinschaft zusammen Forderungen aufzustellen und gemeinsam dem Arbeitgeber gegenüberzutreten. Die Gespräche mit ver.di haben gezeigt, dass sie zu einer solch konkreten und verbindlichen Vereinbarung nicht bereit war. Mit dem jetzigen Verhandlungsalleingang ist der Punkt erreicht, wo wir uns endgültig von ver.di distanzieren müssen, zumal wir die Verhandlungsinhalte von ver.di kritisieren. Wie sich in der ersten Verhandlungsrunde zeigte, wird der Tarifvertrag weit unter dem liegen, was die Ziele des Arbeitskampfes waren. Auch die nochmals klar von 3/4 der Belegschaft aufgestellten Forderungen, die die gravierenden betriebspezifischen Probleme lösen sollen, finden kaum oder nur unter Druck Berücksichtigung. Mit der wahrscheinlichen Ausklammerung von Zuschlägen und Sonderzahlungen wird das Lohnniveau des ver.di-Flächentarifvertrages sogar real unterboten.“

„Ohne die stärkste Gewerkschaft im Betrieb besitzen die Verhandlungen keinerlei Legitimität. Dass hier ein betriebs- und branchenfremder Gewerkschafter verhandelt, der unsere Probleme und Bedürfnisse nicht kennt und sich nur auf einen Phantombasis stützt, ist ein blanker Hohn. Dass dabei noch nicht einmal eine Tarifkommission gebildet wird oder die Beschäftigten ernsthaft einbezogen werden, schlägt dem Fass den Boden aus. Darin drückt sich ein autokratisches Gewerkschaftsverständnis aus, das wir völlig indiskutabel finden. Wenn ver.di noch nicht mal in einem Kleinbetrieb die Einbeziehung der Betroffenen bewerkstelligen kann, ist das ein Offenbarungseid in Sachen gewerkschaftlicher Demokratie,“ so Benjamin Stange von der FAU-Betriebsgruppe im Babylon.

Die FAU Berlin wird auch weiterhin die Interessen ihrer Mitglieder im Betrieb vertreten und die Probleme angehen, die durch den mangelhaften ver.di-Tarifvertrag ungelöst bleiben. Auch wird sie Schikanen gegen aktive Beschäftigte, die schon jetzt festzustellen sind und durch die Unterlaufung des Arbeitskampfes begünstigt wurden, nicht dulden.


4 Antworten auf “FAU Berlin distanziert sich von ver.dis Tarifverhandlungen im Babylon Mitte”


  1. 1 Asbach Uralt 01. November 2009 um 16:14 Uhr

    Verstehe ich jetzt nicht, geht es euch wirklich um die legalistische Frage, ob verdi oder die FAU den Tarifvertrag abschließt?

  2. 2 Jens 01. November 2009 um 18:03 Uhr

    Nein, darum geht’s natürlich nicht. Es geht darum, für die gesamte Belegschaft einen guten Tarifvertrag rauszuhauen. Nur ist das schwierig, wenn ver.di die Forderungen eben dieser Arbeitnehmer ignoriert. Stattdessen wird wohl ein Gefälligkeitstarifvertrag bei rauskommen. Man stelle sich vor, ver.di hätte sich am Arbeitskampf beteiligt, FAU und ver.di hätten wie von der Belegschaft gefordert (und der FAU angeboten) eine Tarifgemeinschaft gebildet… Stattdessen wird der Arbeitskampf unterlaufen. Köhn verhandelt auf eigene Faust und ab und zu werden die Mitarbeiter über den Stand seiner Verhandlungen in Kenntnis gesetzt.

  3. 3 D. 01. November 2009 um 19:24 Uhr

    Köhn hat doch auch überhaupt nichst mit dem Betrieb zu tun und meint dennoch, die Beschäftigten einfach ignorieren zu können. Weder wird eine Tarifkommission gebildet, noch werden die Beschäftigten gefragt. Und 15-20 Leute irgendwie einzubeziehen, ist wirklich kein Problem. Da sollte eigentlich jedem klar sein, dass hier was faul ist. Es geht um Rechte, um Mitbestimmung usw. Ein wesentlicher Anlass des Arbeitskampfes war, dass die Geschäftsleitung dies mit Füßen trat. Und ver.di tut das nun auch. Schon irgendwie ironisch, nicht wahr? Von den zentralen Forderungen, die die Beschäftigten besser vor Kündigungen und Willkür schützen sollen, wird in verdis Vertrag nicht das geringste drin sein. Und was bitte haben die kämpferischen Kollegen von dem Vertrag, wenn sie demnächst alle rausgeschmissen sind?

  1. 1 Chronologie zum Konflikt im Kino Babylon « prekba – prekäres babylon Pingback am 15. Dezember 2009 um 18:04 Uhr
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