Kann ja nicht jeder wissen.

200 Menschen oder auch zehntausende haben heute der ermordeten Kommunisten Luxemburg und Liebknecht gedacht (Video). Mit den Angestellten im Babylon Mitte hat das gar nichts zu tun. Wer hier arbeitet, stolpert nicht nur im Januar auf dem Weg ins Kino zwangsläufig über Luxemburg und deren Zitate, die Hans Haacke zusammengestellt und auf dem Rosa-Luxemburg-Platz vor dem Eingang zum Babylon verstreut hat:

Die Arbeiterräte sollen alle Macht im Staate haben

steht da schlichtweg an der Ecke des Kinos, das für sein rigoroses Vorgehen gegen Belegschaft und Betriebsratsmitglieder bekannt geworden ist. Unpassenderweise ist derselbe Mensch, der den derzeitigen Betreibern Grossman und Hackel das Babylon zugeschanzt hatte, auch für die Rosa-Sprüche im Pflaster davor verantwortlich: Thomas Flierl, der Ostalgiker stolperte kurz nach Vergabe des Babylons über sein eigenes, als Stasi-Solidarität verstandenes, Schweigen. Kein Grund sich über die Denkzeichen im Pflaster oder deren Autorin zu ärgern. im Original geht Luxemburgs Text noch weiter:

Die Arbeiterräte sollen alle Macht im Staate haben. (…) Dazu müssen aber auch unsere Parteigenossen (…) erst geschult werden


1 Antwort auf “Kann ja nicht jeder wissen.”


  1. 1 fauista 12. Januar 2010 um 14:21 Uhr

    Folgendes Flugblatt wurde auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz verteilt:

    Wer sich um sich selbst kümmert…

    Im Kino Babylon kümmern sich Leute selbst umeinander. Um ihre prekären Arbeitsbedingungen zu verbessern, haben sie zusammen mit der Freien ArbeiterInnen-Union (FAU), in der einige von ihnen organisiert sind, einen Tarifvertragsentwurf erarbeitet und der Geschäftsführung vorgelegt. Die FAU verstand sich als Gewerkschaft, in der die Basis über ihre Belange selbst entscheidet. Als die Geschäftsführer Timothy Grossman und Tobias Hackel, sich weigerten, mit der FAU zu verhandeln, trat die Betriebsgruppe der FAU in den Arbeitskampf und rief zum Boykott des Kinos auf.

    Die Geschäftsführung reagierte darauf mit einstweiligen Verfügungen. Arbeitskampfmaßnahmen ließ sie vom Arbeitsgericht Berlin verbieten. In einem zweiten Verfahren wurde der FAU vom eigentlich nicht zuständigen Landgericht sogar die Bezeichnung als „Gewerkschaft“ oder „Basisgewerkschaft“ untersagt. Grund beider Urteile war die angeblich unzureichende soziale Mächtigkeit der FAU.

    Dennoch hat der Arbeitskampf inzwischen einiges bewegt. Um den Standort zu beruhigen, hat sich die Linkspartei eingeschaltet und Tarifverhandlungen zwischen ver.di und dem vom rot-roten Senat finanziell geförderten Kino eingefädelt. Für den so zustande gekommenen Haustarifvertrag bekommt die Geschäftsführung zusätzliche 30.000 € vom Senat. Die „tariffähige“ ver.di verfügt aber über keine Basis im Kino, weigerte sich, die Forderungen der Belegschaft zu berücksichtigen und schloss deutlich unter dem eigenen Flächentarif ab. Insofern erinnert dieser Abschluss nicht etwa an einen erkämpften, sondern an einen Gefälligkeitstarifvertrag.

    … braucht Solidarität!

    Diese Konferenz bringt zurecht die Eigeninitiative der Basis wieder in die gewerkschaftliche Debatte ein. Was im Babylon im vergangenen Jahr passiert ist, ist hierfür ein konkretes Beispiel. Dabei stellen sich uns auch Fragen zu Lage und Perspektive der Gewerkschaften im 21.Jahrhundert. Wie geht man mit einer Justiz um, die Chefs entscheiden lässt, was eine Gewerkschaft ist und was nicht? Wie geht man mit einer Zentralgewerkschaft um, die ihr Monopol um jeden Preis verteidigt? Was soll man von einer Linkspartei halten, die die Selbstorganisation von ArbeiterInnen unterläuft?

    Die FAU Berlin wird alles daran setzen, ihre eigene gewerkschaftliche Freiheit und die der Beschäftigten zu verteidigen. Jetzt wird es Zeit, dass alle Solidarität üben, die nicht zusehen wollen, wie Gewerkschaftsarbeit von unten erstickt wird!

    Mehr infos: http://preba.blogsport.de oder http://www.fau.org/verbot

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