Wir spielen nicht mit

Die Teilzeitbeschäftigen im Babylon wollen weder die neuen Arbeitsverträge unterschreiben, noch Verdi vertrauen:

Um in den Genuss der Tarifvorzüge zu kommen sollen die Teilzeitbeschäftigten Arbeitsverträge unterschreiben, mit denen sie ihre wöchentliche Arbeitszeit auf magere 10 Stunden festschreiben. Zudem sind die Verträge an die Gültigkeit des Tarifvertrags gekoppelt, der wiederum seine Gültigkeit verliert, wenn der Senatszuschuss auch nur um einen Euro gekürzt wird. Alle betroffenen Beschäftigten haben sich nun dagegen ausgesprochen, diesen Vertrag zu unterzeichnen, der die Arbeitsbedingungen der Meisten deutlich unsicherer machen würde. Von Verdi versprechen sich die Prekären keine Unterstützung.

Die Geschäftsführung des Babylon Mitte verweigert den Teilzeitbeschäftigten des halb-kommunalen Kinos bisher die Leistungen des seit Jahresbeginn geltenden Haustarifvertrags. Der Verdi-Dumpingvertrag sollte auf Vermittlung der Senatslinken hin die unzufriedene Belegschaft des kommunalen Berliner Kinos schnell und billig befrieden und zugleich Verdi eine unangenehme Konkurrenz vom Hals schaffen: Mit der freien ArbeiterInnen Union FAU hatten die Beschäftigten schon zuvor einen Haustarifvertrag entworfen, den Verdi weit unterbot.

Laut Geschäftsführung läuft das Babylon von Jahr zu Jahr besser, der Betriebsrat ließ gerichtlich feststellen, dass die sehr lukrative „Kino und Konzerte GmbH“ K&K ebenfalls zum Babylon gehört, und dennoch schiebt der Senat 30.000,- Euro alleine für den Tarifvertrag seiner jährlichen Förderung von 320.000,- Euro hinterher. Das alles genügt der Geschäftsleitung aber noch nicht, um einen Haustarifvertrag auf alle anzuwenden, der zum großen Teil erheblich unter dem Verdi-Bundestarifvertrag liegt. Vielmehr wittern die Geschäftsführer Grossman und Hackel offenbar die Möglichkeit einige Tricks der Anwaltskanzlei ihrer Wahl umzusetzen, die Seminare zum Thema „Kostenreduzierung durch Tarifvertrag“ anbietet:

Die Betroffenen wollen sich aber nicht auf 10 Wochenstunden beschränken und den eigenen Arbeitsvertrag an die Senatsförderung koppeln.

Ohne Unterschrift unter diesen Knebelvertrag wäre die Geschäftsleitung juristisch lediglich gezwungen den Verdi-Mitgliedern gegenüber den Tarif umzusetzen – jedoch hat die Gewerkschaft Verdi im Babylon nur noch ein bis zwei Mitglieder. Zum Eintritt in Verdi kann sich keiner der betroffenen Beschäftigten durchringen. Die Gewerkschaft, deren Vertreter Andreas Köhn noch vor kurzem gegenüber der Belegschaft fälschlich behauptete, er werde nicht unter dem eigenen Bundestarif abschließen, genießt im Babylon nur noch bei der Geschäftsleitung Vertrauen.

Die Babylon Betriebsgruppe der FAU Berlin begrüßt die Entschlossenheit der Teilzeit-Beschäftigten im Babylon und fordert wie sie die bedingungslose Umsetzung des leider viel zu billigen Haustarifs. Im Rahmen der Aktionstage gegen das Verbot, sich als Gewerkschaft zu bezeichnen am 29. und 30. Januar und auch während der Berlinale wird die Betriebsgruppe der FAU Berlin darauf hinweisen, dass das Babylon noch lange nicht befriedet ist.


3 Antworten auf “Wir spielen nicht mit”


  1. 1 Chrsitiane Schleindl 04. Februar 2010 um 15:22 Uhr

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Hiermit möchte ich mitteilen, dass das Kino Babylon zwar in der Öffentlichkeit immer die Bezeichnung „Kommunales Kino“ für sich in Anspruch nimmt, dies allerdings für die Bundesweite Vertretung der Kommunalen Kinos schon lange nicht mehr ist. Der Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V., der die rund 150 kommunalen Kinos in Deutschland vertritt, hat bereits in einer Mitgliederversammlung vom 24.10.2008 den Antrag auf Mitliedschaft des Kino Babylon Berlin abgelehnt.

    mit freundlichen Grüßen
    Christiane Schleindl
    1. Vorsitzende
    Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V.
    Schweizer Strasse 6
    90594 Frankfurt

  1. 1 Keiner hat uns lieb – 3sat auch nicht « prekba – prekäres babylon Pingback am 17. Februar 2010 um 1:11 Uhr
  2. 2 Nicht erbrachte Leistungen und mangelhafte Qualität « prekba – prekäres babylon Pingback am 02. August 2010 um 12:05 Uhr
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