Fremdwörter

Auf indymedia erschienen:

Sprachwandelfunktion
Erkenntnissen der Quantitativen Linguistik zufolge verbreiten sich Fremdwörter entsprechend einer klaren logistischen Funktion. In vielen Fällen so weit, bis das Fremdwort gar nicht mehr als solches erkannt wird.
Die FAU Berlin behauptete während der Berlinale 2009 öffentlich, für Beschäftigte des Babylons seien Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlter Urlaub „Fremdwörter“. Die Geschäftsführer des Babylon Grossman und Hackel gingen mit einer einstweiligen Verfügung gegen diese Feststellung vor. Die FAU Berlin liess sich das nicht gefallen und forderte Klageerhebung. Am vergangenen Mittwoch scheiterten Grossman und Hackel mit ihrer Klage vor dem Arbeitsgericht. Sobald das Urteil zugestellt und rechtskräftig wird, kann die FAU Berlin wieder ungestraft feststellen, dass Krankengeld und Urlaub für einige im Babylon einst fremd wie Fremdwörter waren.
Bis zur Zustellung des Urteils sei der FAU also noch geraten, eine Mitteilung des Betriebsrat vom Januar 2009 zu zitieren, die dieser im Auftrag eines Großteils der Beschäftigten verbreitete:

Eine Atmosphäre in der keiner, der seinen Job behalten will, es wagt um Urlaub zu bitten, prägen das Arbeitsklima.

Doch die Zeiten sind vorbei. Anfang 2010 sahen sich Geschäfts- und Theaterleitung gezwungen, sich mit dem Errechnen von Urlaubsansprüchen des vergangenen Jahres zu beschäftigen. Erfreuliche Nachzahlungen waren die Folge. Urlaub und Krankengeld sind auch für die Geschäftsführung keine Unbekannten mehr.
Vorausgegangen waren 12 Monate eines erfolg- wie verlustreichen Konflikts, während dem die Mitarbeiterzahl von über 30 auf unter 20 reduziert wurde. Ein potentielles Ziel der Geschäftsführung ist damit erreicht: die heute stattfindende Betriebsratswahl wird nur noch einen Kandidaten auswählen, für einen dreiköpfigen BR ist das Babylon mittlerweile zu klein.
Die Geschäftsführer können hoffen: „Fremdwörter“ verschwinden unter Umständen auch wieder aus einem Sprachschatz. In der Formel der entsprechenden logistischen Funktion ändert sich nur ein Vorzeichen.
Die Beschäftigten im Babylon werden das gemeinsam mit der FAU Berlin zu Verhindern wissen, und weiterhin auf Probleme im Babylon aufmerksam machen – darauf etwa, daß aktive Beschäftigte sich nach wie vor der Gefahr einer kalten Kündigung durch Schichtreduzierung asusgesetz fühlen, und daß die von der Partei die Linke protegierten Geschäftsführer Grossman und Hackel sich nach wie vor alle Mühe geben, basisgewerkschaftliche Aktivität zu verhindern:

Am morgigen Samstag, dem 8. Mai feiert die FAU Betriebsgruppe den Tag der Befreieung auf dem Rosa-Luxemburg-Platz vor dem Babylon. Die FAU ergänzt die zeitgleich von der Partei die Linke im Babylon veranstaltete „Linke Kinonacht“ mit Redebeiträgen, Musik, Performance, Lesung und Kurzfilmprogramm.

Die Betriebsgruppe der FAU hatte am 9. Februar 2009 behauptet:

Erst seit dem der kürzlich gegründete Betriebsrat an die Öffentlichkeit ging, sind gewisse gesetzliche Mindeststandards wie bezahlter Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bei der Belegschaft keine Fremdwörter mehr.