Archiv für Januar 2011

Großes Geschäft im Babylon

Berlins lustigstes Kino leistet sich eine neue Dienstanweisung für (bzw. gegen) Filmvorführer:
Ab sofort haben diese die ganze Vorstellung sitzend neben dem Projektor zu verbringen. Sollten nun zum Beispiel körperliche Zwänge sie von diesem Posten zu vertreiben drohen, müssen sie die Theater- oder Geschäftsleitung um Anweisungen für das weitere Vorgehen bitten.
Noch wurde in solcher Notlage nicht beobachtet, wie Geschäftsführer Timothy Grossman mit einem Eimer fürs große Geschäft dem einsitzenden Filmvorführer zu Hilfe eilt. Den verbliebenen Gästen des Babylons sei empfohlen, eimertragenden Geschäftsleuten nicht im Weg zu stehen.

Berlinale ohne Babylon

Kein Grund zur Freude für Babylon-Beschäftigte ist die in die Brüche gegangene Zusammenarbeit von Berlinale und Babylon. Auch wenn ein Festival immer deutlich mehr Arbeit und Stress bedeutet, hatte es meistens Spaß gemacht, im professionellen Umfeld eines gut organisierten Festivals zu arbeiten.
Zudem war die Berlinale in den letzten Jahren auch immer eine gute Gelegenheit international auf die miesen Arbeitsbedingungen im Babylon hinzuweisen.
Jahr für Jahr berichtete z.B. die Kulturzeit vom Babylon. Köstlich die (nur live ausgestrahlte) Flucht Timothy Grossmans vor den unbequemen Fragen der Redakteurin 2010:

Babylon Kino (Grossman und die Dumpinglöhne)
Dabei hatte 2009 doch ein Filmvorführer und Gewerkschafter aus dem Babylon vorgemacht, wie man reichweitenstarke Medien für sich gewinnt:

Pünktlich zur Berlinale 2010 lenkte, neben Grossmans Aussetzer in 3sat, auch die FAU Berlin wieder die Aufmerksamkeit auf das kurios finanzierte „halb-kommunale“ Kino. Doch der Anlass für eine Demonstration der FAU vom Potsdamer Platz zum Babylon war eine von der Babylon Geschäftsführung angestrengte Verfügung, die es der FAU Berlin verbieten sollte, sich Gewerkschaft zu nennen. Ob nun die permanente negative Presse, die Demonstrationen am roten Teppich, allgemeine (Ver)Handlungsunfähigkeit oder betriebswirtschaftliches Versagen Auslöser für den Bruch zwischen Babylon und Berlinale waren, sei dahingestellt. Tief soll er jedenfalls sein, hört man munkeln. Doch nicht zwangsläufig müssen Berlinale und Babylon aufeinander verzichten. Schon ein neuer Betreiber könnte die Sache schnell geraderücken.

Die FAU Berlin hat natürlich Recht behalten, und darf sich nach wie vor als das bezeichnen, was sie ist: Gewerkschaft.

DA: „Aufruhr im Cineasten-Tempel“

In der letzten Ausgabe der Direkten Aktion wurde über die Angriffe, die die dortigen Kolleginnen und Kollegen der CNT ausgesetzt sind, berichtet. Zwar nicht brandaktuell, aber wir möchten ihn euch nicht vorenthalten – zumal da was zusammenzuwachsen droht, was wohl leider zusammen gehört:

Aufruhr im Cineasten-Tempel
Gewerkschaftsbündnis kämpft in Paris gegen Entlassung einer Gewerkschaftsdelegierten

Auch die Belegschaft der renommierten französischen Kinoinstitution Cinémathèque Française in Paris beteiligte sich im Oktober an den Streiks gegen die Rentenreform. Auf Initiative eines Gewerkschaftsbündnisses aus CNT-F und CGT wurde der Forderungskatalog allerdings um einen Punkt erweitert: Die sofortige Wiedereinstellung der CNT-Delegierten Valérie. Die Entlassung Valéries ist der Höhepunkt einer gewerkschaftsfeindlichen Politik der Cinémathèque-Geschäfts-führung in den vergangenen Jahren. Seit 2003 wurden bereits drei aktive CNT-Mitglieder aus dem Betrieb gedrängt. Allein in den letzten Monaten wurden unter fadenscheinigen Begründungen Sanktionen gegen vier GewerkschafterInnen ausgesprochen – gegen drei von der CNT und eine von der CGT. (mehr…)

Appetizer

Unser umtriebiger Ex-Mitarbeiter und prekba Auslandskorrespondent macht uns auf einen langjährigen Arbeitskampf prekär Beschäftigter in Brooklyn aufmerksam:
Die Arbeiter von Flaum Appetizing wurden gefeuert, nachdem sie sich gewerkschaftlich organisiert, und mit der IWW ihr Recht auf Urlaub durchgesetzt hatten. Der Geschäftsführer von Flaum soll die Kollegen zudem durch deren ungesicherten Aufenthaltsstatus unter Druck gesetzt haben. Mit Unterstützung von Brandworkers International, dem Forward, jüdischen Sozialisten und der IWW wenden sich die Prekären direkt an die Kundschaft des Produzenten koscherer Delikatessen und informieren unter Anderem in Synagogen über die Arbeitsbedingungen bei Flaums.