Wer einen Schaden hat, muss für den Spot nicht sorgen

Nicht nur im Berliner Kino Babylon Mitte sorgt Verdi dafür, daß ab und zu auch mal für die Hälfte gearbeitet wird. Auch an Filmsets möchte die Dienstleisungsgewerkschaft eigene Vorstellungen von Arbeitsbedingungen realisieren – die Filmschaffenden sind entsetzt.
Aber es geht noch schlimmer:
Wer für den Spot „Ver.di – Wir sind mehr wert“ als Aufnahmeleiter oder Fahrer arbeiten möchte (gesucht sind nur erfahrene Kräfte) muss auf die Hälfte der Gage verzichten, so die Ausschreibung auf der Jobbörse Crew United (unter „Jobs“ einfach „Untertarifliche Gage“ wählen):

Imagefilm: „Wir sind mehr wert“ (AT) Empfehlen | Update | 06.01.2010
Für einen Einminüter suchen wir einen erfahrenen Setaufnahmeleiter. Der Film setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen für Filmschaffende ein. Drehzeitraum: 22.01.-24.01.2010. Die Gage entspricht 50% der Tarifgage.
(1, 2, Screenshots von crew-united.de)

Verantwortlich für das freche Lohndumping „für bessere Arbeitsbedingungen“ ist nicht etwa eine arbeitnehmerfeindliche Agentur, die sich Verdi unglücklich ausgesucht hat. Produziert wird der „Social Spot“ von conexx.av („Wenn jemand fragt: Klar sind wir ver.di!“) Die GmbH gehört Verdi und gibt sich ungeniert als „Modell für moderne Gewerkschaftsarbeit“ und „Interessenvertretung von Medienschaffenden“ aus und hält sich gar für „eines der größten Innovationsvorhaben deutscher Gewerkschaftsgeschichte“
Netterweise lässt sich bei conexx.av auch gleich der Tarifvertrag herunterladen – bitte nicht vergessen die Löhne zu halbieren falls für connex.av gearbeitet wird. Wer „connexx.av – the union project for media workers“ vorantreiben möchte muss der GmbH aber nicht 50% des Tariflohns abknöpfen: als Komparse darf man für den Spot auch völlig auf das branchenübliche Honorar verzichten.
Falls es dann doch noch Probleme mit dem Arbeitsschutz oder unterlaufenen Tarifverträgen am Set von conexx.av gibt, kann vertrauensvoll um einen Setbesuch der Gewerkschaft gebeten werden: Kurze Nachricht an mail@connexx-av.de genügt.


7 Antworten auf “Wer einen Schaden hat, muss für den Spot nicht sorgen”


  1. 1 dreaven3 07. Januar 2010 um 23:06 Uhr

    Die E-Mail habe ich an Connexx gesendet, die Antwort wird ebenfalls hier veröffentlicht.

    Wie oft müsst ihr denn zum Set-Besuch ausrücken?

    Bei den Löhnen, die ihr zahlt, müsste das ständig vorkommen oder darf man das gesetzlich gesehen überhaupt Lohn nennen, denn dem Wort nach muss man dafür auch entlohnt werden und das entsprechend der Arbeit, die gefordert wird.

  2. 2 prekba 08. Januar 2010 um 12:24 Uhr

    Jetzt wollte ich mich gerade als Fahrer bewerben aber die Ausschreibung ist schon verschwunden. Mica war schneller und versucht den großen Gewerkschaftscoup: Mica wird versuchen sich in die conexx.av-Produktion einzuschleusen, um mit Unterstützung des „Gewerkschaftsprojekts“ conexx.av gegen die Dumpinglöne von conexx.av vorzugehen. Hier Micas Schreiben, dass seinen weg auch zu uns fand:

    Liebe Kolleginnen und Kollegen bei ver.di/conexx.av,

    als gewerkschaftlich aktiver Medienschaffender finde ich mich immer öfter mit geradezu unverschämt knapp kalkulierten Aufträgen konfrontiert. Gagen, die so gering sind, dass sie ein seriöses Arbeiten gar nicht ermöglichen können sind sicher auch Euch bekannt. Natürlich gebe ich mir Mühe entspechende Jobs nicht anzunehmen um die nach unten führende Gagenspirale nicht noch weiter zu drehen.
    Für sehr sinnvoll halte ich daher Euer Angebot bei besonders üblen Arbeitsbedingungen Setbesuche abzustatten und auf Verbesserungen hin zu wirken. Genau darum möchte ich euch bitten:
    Ich plane mich als Aufnahmeleiter bei Eurer Produktion „Wir sind mehr wert“ zu bewerben. Wie ihr schreibt, bezahlt ihr bei der Produktion dieses Spots, der für bessere Arbeitsbedingungen beim Film werben soll, nur 50% der Tarifgage. Gegen dieses Lohndumping sollten wir gemeinsam etwas unternehmen! Ich bitte Euch daher, mich für eure Dumping-Produktion zu engagieren. Ich würde Euch dann umgehend zu einem Setbesuch einladen, bei dem Ihr dann auf die skandalösen Arbeitsbedingungen aufmerksam machen könnt, für die Ihr verantwortlich seid. Ich stehe auf jeden Fall hinter Euch, wenn ihr im Interesse von uns Medienschaffenden gegen Euch selbst vorgeht. Bitte engagiert mich und behaltet Euch gegenüber striktes Stillschweigen bezüglich des Vorhabens, damit das Ganze auch klappt!

    Mit kollegialem Gruß,

    Mica Xxxx

  3. 3 Tom 08. Januar 2010 um 12:37 Uhr

    Bei conexx-av.de wird noch nach KomparsInnen gesucht. Natürlich ohne Gage, aber der Spass ist es wert. Wir sehen uns in Stralau!

  4. 4 dreaven3 08. Januar 2010 um 14:42 Uhr

    Mal schauen, was connexx auf beide E-Mails antwortet, obwohl es noch mehrere geben wird, aber diesen beiden haben es in die Öffentlichkeit geschafft, wobei der Beitrag von Mica noch wesentlich besser ist als meiner.

  5. 5 dreaven3 12. Januar 2010 um 17:08 Uhr

    Lieber Herr,

    Ihre Mail ist an mich weitergeleitet worden, da ich die Ansprechpartnerin bei connexx.av/ver.di für die Filmschaffenden in Berlin-Brandenburg bin und in dieser Funktion auch eng mit dem ver.di Filmverband zusammenarbeite.

    Leider zeigt sich, dass die Anzeige bei crew-united missverständlich gewesen ist und daher will ich Ihnen das Vorhaben des Filmverbandes erklären, von dem die Idee und Umsetzung zu diesem Spot stammt. Der Filmverband besteht aus filmschaffenden, ehrenamtlichen Mitgliedern, die sich aktiv für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einsetzen wollen. Deshalb haben sie das Konzept zu dem Spot entwickelt, der auf die prekären Seiten dieser Branche hinweist. connexx.av bzw. ver.di unterstützt dieses Vorhaben finanziell und ermöglicht damit überhaupt erst die Umsetzung, agiert hier also nicht als Auftraggeber oder als kommerzielles Unternehmen mit Gewinnabsichten. ver.di hat dabei nicht nur Mittel zur Verfügung gestellt, dass der Spot technisch professionell realisiert werden kann, sondern dass auch das ehrenamtliche Engagement mit Aufwandsentschädigungen honoriert werden kann. Löhne zahlen wir also gar nicht. Filmschaffende, die für diese Projekt tätig werden tun was für sich selbst, indem sie sich aktiv für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einsetzen. Nur so funktioniert Gewerkschaftsarbeit: die Betroffenen tun etwas für sich selbst. Das Ganze ist als Ehrenamt zu verstehen und statt klassischer gewerkschaftlicher Gremienarbeit wird hier eben mal ein Film gedreht. Insofern war die Angabe eines Low Budget-Projektes irreführend.

    Ich hoffe, ich konnte das Anliegen verständlich rüberbringen. Falls Sie noch Fragen haben, her damit. Was tun Sie denn für Ihre Arbeitsbedingungen? Sind Sie schon aktiv?

    Viele Grüße

    Kxxxxxx Exxxxxxxx

    --
    connexx.av GmbH
    c/o ver.di
    xxxxxxxxxxxxxxxxx – Projektmanagerin
    Köpenicker Straße 30 – 10179 Berlin

    Tel: 030.88 6XXXXXX
    Fax: 030.88 6XXXXXX
    Mobil: 0160.9XXXXXX

    http://www.connexx-av.de

    connexx.av gehört zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)

  6. 6 Honk 13. Januar 2010 um 0:28 Uhr

    Klasse Artikel, krasse Info! Das ist ja der Hammer… Ich will Updates, wenn sich was draus ergeben hat :) LG aus der Nachbarschaft :)

  7. 7 dreaven3 14. Januar 2010 um 19:35 Uhr

    Die Antwort von connex, die hier veröffentlicht wurde, ist schonmal eine Erklärung um das Missverständniss um den besagten Spot aufzuklären.

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