Archiv der Kategorie 'Presseartikel'

Seifenoper Babylon: Kabale und Spekulationen

Während die halbe Linke darauf wartet, dass die Wirtschaftskrise endlich auch mal die bundesdeutschen Lohnabhängigen zu Taten reizt, kämpfen seit Monaten Beschäftigte des Kinos Babylon Mitte in Berlin nicht nur für höhere Löhne und sichere Arbeitsverhältnisse, sondern auch für Würde, Mitbestimmung, ja sogar für Gewerkschaftsfreiheiten, die in Deutschland ganz offensichtlich rar sind. Hartnäckig bestehen Sie auf ihren Forderungen und darauf, nicht entmündigt zu werden, so dass sie mittlerweile nicht nur im Konflikt mit der Geschäftsführung, sondern auch mit ver.di stehen, die sich unter dubiosen Umständen eingeklinkt hat. Selten hat ein so kleiner Betriebskonflikt solche Wellen geschlagen, selten solche eine Hartnäckigkeit gezeigt. Um die endlich in den Griff zu bekommen, greifen die Opponenten zu allen Mitteln. Nun wird gar ein Gewerkschaftsverbot bemüht. Spätestens jetzt sollte klar sein: Babylon geht alle an!
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Fear, Uncertainty and Doubt

Bereits gestern erschien im ND ein lesenswerter Artikel zum Arbeitskampf im Babylon. Bedauernswert ist, dass ver.di-Chefunterhändler Andreas Köhn mit seiner FUD-Strategie – sprich einer gezielten, aber dennoch subtilen Desinformationspolitik – durchaus Erfolg zu haben scheint:

Weitere Versuche [einer Zusammenarbeit von FAU und ver.di] scheiterten nach Aussage von Köhn daran, dass sich »die FAU nicht an Absprachen gehalten hat.« Müßig herauszufinden, wer was wann gesagt oder unterlassen hat.

Leider entsteht so ein Bild, wonach die einen dieses und die anderen jenes behaupten würden. Beim Außenstehenden bleibt so hängen, dass die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte liegen wird. Nur: Die Vorwürfe der FAU und deren Betriebsgruppe sind deutlich und konkret, die Forderungen der Belegschaft und der ver.di-Betriebsgruppe sind es auch. Es wäre interessant zu erfahren, auf welche nicht eingehaltenen Absprachen der FAU sich Herr Köhn bezieht, um sich über das einstimmige Votum der Betriebsversammlung (letzter Absatz) hinwegzusetzen?!

Kleine Presseschau

Im Neuen Deutschland gab es eine Vorausschau auf die Kundgebung vorm Babylon. Die Junge Welt wiederum betreibt Nachlese. Beide Artikel sind auch hinsichtlich der Position der Linkspartei interessant (wozu wir ja erst kürzlich etwas geschrieben haben.). Tip Berlin und Tagesspiegel berichteten ebenfalls in längeren Artikeln.

In der heutigen taz

Wie jeden Montag sichtet Jörg Sundermeier auch in der heutigen taz die soziale Bewegung in der Stadt. Hierbei weist er auch auf die Videokundgebung am kommenden Donnerstag hin:

Es geht um den auch in diesem Blatt schon mehrfach verhandelten Arbeitskampf im Kino Babylon Mitte. Die FAU wirft den Kinobetreibern einen Haustarifvertrag vor, der nach Meinung der Gewerkschafter nicht mal den Standards genügt. Der Vorwurf lautet, wie immer: nur Schinderlöhne werden angeboten. Darüber soll nun gesprochen werden, anschließend wird – für alle solidarischen Kinoboykotteur_innen – ein „Überraschungsfilm“ gezeigt.

Wenngleich wir uns über diese Werbung freuen, so stimmen hieran ein paar Dinge nicht: Erstens ist die Videokundgebung nicht von der FAU organisiert, sondern vom Mayday-Bündnis, welches hiermit Belegschaft und Gewerkschaft im Arbeitskampf unterstützen will. Viel wichtiger jedoch: Es ist nicht so, dass die FAU den Kinobetreiber vorwirft, dass es im Babylon einen Haustarifvertrag mit schlechten Konditionen gäbe: Vielmehr findet im Babylon überhaupt kein Tarifvertrag Anwendung. Deshalb haben FAU Berlin und Belegschaft einen Entwurf für einen Haustarifvertrag vorgelegt. Die Geschäftsführer weigern sich jedoch, über diesen überhaupt zu verhandeln.

jW: Dubiose Praktiken

In der Ausgabe vom 10.08. berichtet die Tageszeitung junge Welt in einem längerem Artikel über Dubiose Praktiken im Kino Babylon. Interessant insbesondere die Argumentation des stellvertretenden Landesvorsitzenden der Berliner Linken, Wolfgang Albers, der hier zitiert wird. Nicht nur werde das Kino Babylon nicht etwa für ein anspruchvolles Programm kommunal gefördert, sondern um den „Betrieb in teurer Citylage überhaupt zu ermöglichen“. Und „die Lohnstruktur im Babylon“, so Albers, sei „vergleichbar mit anderen kleinen Kinos“. Ob man das Babylon mit seinen 120 000 Besuchern im Jahr als kleines Kino betrachten möchte, sei dahingestellt, vergleichbar mit anderen „kleinen“ Kinos ist es eben aufgrund der Subventionen durch den Senat grade nicht. Davon abgesehen, dass es durchaus vergleichbare Kinos gibt, ohne kommunale Förderung und ebenfalls in teurer Citylage, die höhere Löhne zahlen und einen anderen Umgang mit ihrer Belegschaft pflegen. Für eine Partei, die einen Mindestlohn fordert, der ein würdiges Leben ermöglicht, ohnehin eine etwas merkwürdige Argumentation. Merkwürdig auch, dass die Antwort auf den Offenen Brief der FAU an die Linke, aus der zitiert wird, bei uns noch nicht angekommen ist. Aber immerhin kündigt Albers an, mit den Geschäftsführern das Gespräch zu suchen. Wir sind gespannt.