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DA: „Aufruhr im Cineasten-Tempel“

In der letzten Ausgabe der Direkten Aktion wurde über die Angriffe, die die dortigen Kolleginnen und Kollegen der CNT ausgesetzt sind, berichtet. Zwar nicht brandaktuell, aber wir möchten ihn euch nicht vorenthalten – zumal da was zusammenzuwachsen droht, was wohl leider zusammen gehört:

Aufruhr im Cineasten-Tempel
Gewerkschaftsbündnis kämpft in Paris gegen Entlassung einer Gewerkschaftsdelegierten

Auch die Belegschaft der renommierten französischen Kinoinstitution Cinémathèque Française in Paris beteiligte sich im Oktober an den Streiks gegen die Rentenreform. Auf Initiative eines Gewerkschaftsbündnisses aus CNT-F und CGT wurde der Forderungskatalog allerdings um einen Punkt erweitert: Die sofortige Wiedereinstellung der CNT-Delegierten Valérie. Die Entlassung Valéries ist der Höhepunkt einer gewerkschaftsfeindlichen Politik der Cinémathèque-Geschäfts-führung in den vergangenen Jahren. Seit 2003 wurden bereits drei aktive CNT-Mitglieder aus dem Betrieb gedrängt. Allein in den letzten Monaten wurden unter fadenscheinigen Begründungen Sanktionen gegen vier GewerkschafterInnen ausgesprochen – gegen drei von der CNT und eine von der CGT. (mehr…)

Appetizer

Unser umtriebiger Ex-Mitarbeiter und prekba Auslandskorrespondent macht uns auf einen langjährigen Arbeitskampf prekär Beschäftigter in Brooklyn aufmerksam:
Die Arbeiter von Flaum Appetizing wurden gefeuert, nachdem sie sich gewerkschaftlich organisiert, und mit der IWW ihr Recht auf Urlaub durchgesetzt hatten. Der Geschäftsführer von Flaum soll die Kollegen zudem durch deren ungesicherten Aufenthaltsstatus unter Druck gesetzt haben. Mit Unterstützung von Brandworkers International, dem Forward, jüdischen Sozialisten und der IWW wenden sich die Prekären direkt an die Kundschaft des Produzenten koscherer Delikatessen und informieren unter Anderem in Synagogen über die Arbeitsbedingungen bei Flaums.

Sekt und Hort

Aus zwei unterschiedlichen Richtungen wird sich in dieser Woche Fragen der Prekarisierung genähert:
Am Dienstag lockt die Bildungssektion der Berliner FAU mit Sekt und Schnittchen zur Working Class Academy in die TU. Die Gewerkschaft informiert über Rechte als Jobber, Praktikantinnen oder Uni-Angestellte. Strategien gegen Prekarisierung, Flexibilisierung und Arbeitshetze sollen gemeinsam entwickelt und diskutiert werden.
Mittwoch spricht im Rahmen der Workers Punk Art School Filmemacherin Hito Steyerl über klassenlose Stoßarbeiter (im englischen mißverständlich Strike Worker), Autorin Katja Diefenbach aus dem b_books-Kollektiv fragt nach einer Politik prekärer Arbeit. Kinderbetreuung vor Ort.

Di., 14. 12., 18.00 Uhr, Hörsaal 2033 Hauptgebäude TU Berlin, Charlottenburg
Working Class Academy: Prekarisierung an der Uni und drumherum
Info- und Diskussionsveranstaltung der Bildungssektion der FAU Berlin

Mi., 15. 12., b_books Lübbener Str. 14 Berlin Kreuzberg
Workers Punk Art School and b_books kindly invite you to the discussion NEW SCHOOL OF CAPITALISM
19.30-19.45: Introduction: political lessons from post-fordist analysis by Gal Kirn (fellow at ICI-Berlin)
19.45-20.00: book design and postfrodism by Žiga Testen, Nina Støttrup Larsen and Cornelia Durka
20.15-20.30: Shock workers as “refuse of all classes” by Hito Steyerl
20.30-20.45: Exhausted and organised. Is there a politics of precarious labor? by Katja Diefenbach (b_books)

Kino 2, 20:30 Uhr: Unfälle & Zwischenfälle

Das LAGetSi, Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit, auch bekannt als Gewerbeaufsicht, warnt vor verstärkten Kontrollen von Fluchtwegen in Berliner Betrieben. Sehr interessant könnten diese Kontrollen im Babylon werden, wo Mitarbeiter und Kunden hin und wieder über die Überfüllung der kleinen Kinosäle 2 (Studio) und 3 klagen. Während Festivals wie ALFILM und Interfilm werden die Besucher gern auch auf Treppen und Fluchtwege gesetzt. Auf einer der letzten Betriebsversammlung im Babylon weigerte sich Timothy Grossman (einer der derzeitigen Betreiber des Babylons) auf die Frage zu antworten, ob in Zukunft von den Kassenkräften darauf verzichtet werden darf, mehr Karten zu verkaufen als Plätze im Saal sind.
Die Verantwortung sollen also die Beschäftigten tragen, die nie vor Zeugen, geschweige denn auf Betriebsversammlungen angewiesen werden, die Kinos zu überfüllen. Stolpert ein Gast über einen Klappstuhl im Notausgang, wird es der Geschäftsführung ein Leichtes sein, die Schuld samt Schadensersatzforderungen auf das „eigenmächtige“ Personal zu schieben.

Die Gewerbeaufsicht ist unter 9025450 zu erreichen. Auch von den Telefonen an den Kinokassen. Seit diesem Sommer droht für verstellte Fluchtwege und andere Verstöße gegen die Arbeitsstättenverordnung eine Buße von 5000 Euro.

Alles unter Kontrolle?

In der Veranstaltungsreihe „reflectures 2010 – Alles unter Kontrolle?“ wird diskutiert, wo und in welchen Bereichen unseres Alltags offensichtlich und versteckt Kontrolle stattfindet. Wie funktioniert diese Kontrolle als neoliberale Zurichtung, wem nutzt sie und was macht sie aus unserer Gesellschaft?

Mit ReferentInnen von labournet.de (Mag Wompel) und Sektion IT- und Elektroberufe der FAU Berlin.

Mi, 10. November um 19.00 Uhr | Ort: Akazie e.V., Friedelstraße 54, 12047 Berlin