Seine Kollegen verbitten sich, mit ihm in einem Atemzug genannt zu werden; vielen gilt er als der Schlechteste seiner Zunft. Mit aussichtslosen Klagen macht der Egozentriker, der sich offenbar als Opfer verschworener Mächte wähnt, auf sich aufmerksam. Finanziell ist er trotz allem durchaus erfolgreich: Ein fragwürdiges Finanzierungsystem hat er sich ausgedacht, das seinem Unternehmen Unsummen an Steuergeldern zufließen ließ. Mit der Berlinale hat er sich verkracht. Trotzig hat er zeitgleich zu deren Beginn am vergangenen Sonntag im Babylon den Film „Auschwitz“ vorgestellt.
Preisfrage:
Wer ist gemeint, Timothy Grossman, Geschäftsführer des Babylon, oder Uwe Boll, Regisseur von „Auschwitz“?
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Im vergangenen Sommer hatten wir dringend um Unterstützung bei der Suche der Geschäftsleitung nach neuen Mitarbeitern gebeten. Es ist wieder so weit. Offenbar inspiriert vom Reformwillen nubischer Despoten sucht die Geschäftsführung einen neuen Ministerpräsiden… nein, Theaterleiter. Doch mit Durchsetzungsvermögen und Belastbarkeit allein ist der Job nicht zu machen. Wir empfehlen eine gehörige Portion Abenteuerlust.
Ein Tipp für’s Vorstellungsgespräch: Führungspersonal mit Freude am Ölwechseln soll besonders gut ankommen.
Berlins lustigstes Kino leistet sich eine neue Dienstanweisung für (bzw. gegen) Filmvorführer:
Ab sofort haben diese die ganze Vorstellung sitzend neben dem Projektor zu verbringen. Sollten nun zum Beispiel körperliche Zwänge sie von diesem Posten zu vertreiben drohen, müssen sie die Theater- oder Geschäftsleitung um Anweisungen für das weitere Vorgehen bitten.
Noch wurde in solcher Notlage nicht beobachtet, wie Geschäftsführer Timothy Grossman mit einem Eimer fürs große Geschäft dem einsitzenden Filmvorführer zu Hilfe eilt. Den verbliebenen Gästen des Babylons sei empfohlen, eimertragenden Geschäftsleuten nicht im Weg zu stehen.
Kein Grund zur Freude für Babylon-Beschäftigte ist die in die Brüche gegangene Zusammenarbeit von Berlinale und Babylon. Auch wenn ein Festival immer deutlich mehr Arbeit und Stress bedeutet, hatte es meistens Spaß gemacht, im professionellen Umfeld eines gut organisierten Festivals zu arbeiten.
Zudem war die Berlinale in den letzten Jahren auch immer eine gute Gelegenheit international auf die miesen Arbeitsbedingungen im Babylon hinzuweisen.
Jahr für Jahr berichtete z.B. die Kulturzeit vom Babylon. Köstlich die (nur live ausgestrahlte) Flucht Timothy Grossmans vor den unbequemen Fragen der Redakteurin 2010:
Babylon Kino (Grossman und die Dumpinglöhne)
Dabei hatte 2009 doch ein Filmvorführer und Gewerkschafter aus dem Babylon vorgemacht, wie man reichweitenstarke Medien für sich gewinnt:
Pünktlich zur Berlinale 2010 lenkte, neben Grossmans Aussetzer in 3sat, auch die FAU Berlin wieder die Aufmerksamkeit auf das kurios finanzierte „halb-kommunale“ Kino. Doch der Anlass für eine Demonstration der FAU vom Potsdamer Platz zum Babylon war eine von der Babylon Geschäftsführung angestrengte Verfügung, die es der FAU Berlin verbieten sollte, sich Gewerkschaft zu nennen. Ob nun die permanente negative Presse, die Demonstrationen am roten Teppich, allgemeine (Ver)Handlungsunfähigkeit oder betriebswirtschaftliches Versagen Auslöser für den Bruch zwischen Babylon und Berlinale waren, sei dahingestellt. Tief soll er jedenfalls sein, hört man munkeln. Doch nicht zwangsläufig müssen Berlinale und Babylon aufeinander verzichten. Schon ein neuer Betreiber könnte die Sache schnell geraderücken.
Die FAU Berlin hat natürlich Recht behalten, und darf sich nach wie vor als das bezeichnen, was sie ist: Gewerkschaft.
In der letzten Ausgabe der Direkten Aktion wurde über die Angriffe, die die dortigen Kolleginnen und Kollegen der CNT ausgesetzt sind, berichtet. Zwar nicht brandaktuell, aber wir möchten ihn euch nicht vorenthalten – zumal da was zusammenzuwachsen droht, was wohl leider zusammen gehört:
Aufruhr im Cineasten-Tempel
Gewerkschaftsbündnis kämpft in Paris gegen Entlassung einer GewerkschaftsdelegiertenAuch die Belegschaft der renommierten französischen Kinoinstitution Cinémathèque Française in Paris beteiligte sich im Oktober an den Streiks gegen die Rentenreform. Auf Initiative eines Gewerkschaftsbündnisses aus CNT-F und CGT wurde der Forderungskatalog allerdings um einen Punkt erweitert: Die sofortige Wiedereinstellung der CNT-Delegierten Valérie. Die Entlassung Valéries ist der Höhepunkt einer gewerkschaftsfeindlichen Politik der Cinémathèque-Geschäfts-führung in den vergangenen Jahren. Seit 2003 wurden bereits drei aktive CNT-Mitglieder aus dem Betrieb gedrängt. Allein in den letzten Monaten wurden unter fadenscheinigen Begründungen Sanktionen gegen vier GewerkschafterInnen ausgesprochen – gegen drei von der CNT und eine von der CGT. (mehr…)


