Von der umkämpften Gründung des Betriebsrates im November 2008 bis zum Gewerkschaftsverbot gegen die FAU Berlin gut ein Jahr später. Der Arbeitskampf im Kino Babylon in Stichpunkten: (mehr…)
Tag-Archiv für 'die-linke'
Während die halbe Linke darauf wartet, dass die Wirtschaftskrise endlich auch mal die bundesdeutschen Lohnabhängigen zu Taten reizt, kämpfen seit Monaten Beschäftigte des Kinos Babylon Mitte in Berlin nicht nur für höhere Löhne und sichere Arbeitsverhältnisse, sondern auch für Würde, Mitbestimmung, ja sogar für Gewerkschaftsfreiheiten, die in Deutschland ganz offensichtlich rar sind. Hartnäckig bestehen Sie auf ihren Forderungen und darauf, nicht entmündigt zu werden, so dass sie mittlerweile nicht nur im Konflikt mit der Geschäftsführung, sondern auch mit ver.di stehen, die sich unter dubiosen Umständen eingeklinkt hat. Selten hat ein so kleiner Betriebskonflikt solche Wellen geschlagen, selten solche eine Hartnäckigkeit gezeigt. Um die endlich in den Griff zu bekommen, greifen die Opponenten zu allen Mitteln. Nun wird gar ein Gewerkschaftsverbot bemüht. Spätestens jetzt sollte klar sein: Babylon geht alle an!
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Liebe ver.di, sehr geehrter Andreas Köhn,
wir möchten hiermit nochmals ausdrücklich Ihr Vorgehen im Berliner Kino Babylon Mitte zum Thema machen. Es stehen unseres Erachtens immer noch offene Fragen im Raum, die solange diese nicht geklärt sind, Ihr Einschreiten äußerst fragwürdig erscheinen lassen. Neben diesen Unklarheiten haben sich zudem in Ihrem Vorgehen Verhaltensweisen gezeigt, bei denen keinerlei Zweifel bestehen und die wir hiermit ausdrücklich verurteilen wollen.
Wir hatten länger gewartet, all diese Dinge auf den Tisch zu bringen, da wir im Interesse der Belegschaft zu einer gemeinsamen Lösung kommen wollten. Ihre tatenlose Diplomatie der Lippenbekenntnisse, Ihr Verhandlungsalleingang, Ihre schalen Verhandlungsinhalte und die ständige Ausklammerung des Belegschaftswillens haben dazu geführt, dass wir auf Distanz zu Ihnen gehen mussten. Da sie zuletzt auch zunehmend auf Anfragen von Außen und öffentlich Unwahrheiten zu verbreiten versuchten, sehen wir uns gezwungen, hier und jetzt Klartext zu sprechen. Sie und andere mögen das als schroff empfinden; wir aber denken, dieser Ton ist angemessen: an dem, was geschah und geschieht ist nichts akzeptabel. Jede/r Beteiligte wird das nachvollziehen können.
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Die Linke.SDS lädt von 2. – 4. Oktober zum MCH Kongress. Besonders interessant:
- „Ohnmacht oder Macht der Gewerkschaften?“ Samstag ab 10 Uhr.
- „Links und libertär?“ mit Klaus Lederer. Wer sich nochmal mit Klaus u.a. zur Frage auseinandersetzen will, weshalb gerade die Partei die Linke so große Probleme mit dem aufrechten Gang hat, sehe sich vorher mal seinen Aufsatz in den Blättern an. wwalkie kommentiert:
Eine Linke, die dafür kämpft, dass man sich in einem Betrieb mit dem Gütesiegel „Wir sind nicht sexistisch“ … ausbeuten lassen muss. Das hat doch was!
- „Praxis macht politisch klug – Zum Spannungsfeld von politischer Apathie, Bewegung und Organisation“ mit Raul Zelik am Samstag ab 20 Uhr.
- „Organizing und Kampagnen“ am Sonntag ab 10 Uhr.
Wer nicht hin kann: das Herbstradio wird berichten.
[Anmerkung: Die FAU Berlin ruft seit dem 7.10.2009 nicht mehr zum Boykott des Kino Babylon Mitte auf]
Pressemitteilung der FAU Berlin
24. September 2009
Am morgigen Freitag, den 25. September, findet im Kino Babylon Mitte die von der Linkspartei veranstaltete »Linke Kinonacht« statt. Die FAU Berlin, die sich dort mit einem Großteil der Belegschaft seit Juni im Arbeitskampf für einen Haustarifvertrag befindet, kündigt nun Proteste vor der Einrichtung an.
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[Anmerkung: Die FAU Berlin ruft seit dem 7.10.2009 nicht mehr zum Boykott des Kino Babylon Mitte auf]
Die Babylon Betriebsgruppe der FAU dankt allen Gästen die in den vergangenen Monaten dem Boykottaufruf der FAU gefolgt sind und das Babylon Mitte mieden. Gegenüber der Geschäftsführung konnte so enormer Druck für den Beginn von Verhandlungen und den Abschluss eines Tarifvertrags mit der FAU aufgebaut werden. Noch immer weigern sich die Geschäftsführer Grossman und Hackel aber mit uns zu verhandeln – der Boykott wird weitergehen.
Unterdessen bietet sich aber eine gute Gelegenheit, das Babylon zu besuchen ohne den Geschäfsführern dadurch Geld hinterher zu werfen:
Am kommenden Freitag veranstaltet „die Linke“ eine „linke Kinonacht“ (Eintritt frei) im Babylon Mitte, zu der auch wir unsere Unterstützerinnen und Unterstützer herzlich einladen. Um 18 Uhr findet eine Diskussion um „linke Medien“ statt. Vielleicht referiert Babylon-Geschäftsführer Timothy Grossman an dieser Stelle darüber wie linke Medien mit Abmahnungen und Prozessen überzogen werden können, nachdem sie kritisch über das Babylon berichteten. Fragen und Diskussionsbeiträge sind sicher sehr willkommen. Um 20 Uhr dann darf man den Herren Gysi und Lederer lauschen. Vielleicht erzählen sie den Kinobesuchern von Mindestlöhnen, vielleicht werden sie auch danach gefragt warum diese nicht im Babylon Mitte bezahlt werden, dafür aber engagierte Mitarbeiter ihren Job verlieren. Die Berliner Linkspartei trägt letztlich die Verantwortung für die Zustände im Babylon, dessen Geschäftsführer sie gegen erhebliche Proteste in Position brachte. Sicher freuen sich aber auch viele linke BesucherInnen und Besucher darüber auf vielfältige Weise über die Zustände im Babylon Mitte informiert zu werden, die Gesprächsthemen im Foyer werden ja hoffentlich nicht wie die Taschen am Eingang auf missliebige politische Inhalte hin untersucht werden. Oder doch?
FAU Betriebsgruppe Babylon
Presseerklärung – 03.09.09 von FAU Berlin
Im seit Monaten andauernden Arbeitskonflikt im Berliner Kino Babylon Mitte zeichnet sich eine seltsame Entwicklung ab. Wie der Presse vom 03.09.2009 zu entnehmen ist, lädt die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di die Geschäftsleitung der Neuen Babylon GmbH nun zu Tarifverhandlungen. Dies erscheint in verschiedener Hinsicht ominös.
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Im Neuen Deutschland gab es eine Vorausschau auf die Kundgebung vorm Babylon. Die Junge Welt wiederum betreibt Nachlese. Beide Artikel sind auch hinsichtlich der Position der Linkspartei interessant (wozu wir ja erst kürzlich etwas geschrieben haben.). Tip Berlin und Tagesspiegel berichteten ebenfalls in längeren Artikeln.
[Anmerkung: Die FAU Berlin ruft seit dem 7.10.2009 nicht mehr zum Boykott des Kino Babylon Mitte auf]
Diese Woche gab der Vize-Landesvorsitzende der Berliner Linkspartei, Wolfgang Albers, abermals gegenüber der Presse bekannt, dass seine Partei zu Gesprächen mit der FAU über den Konflikt im Babylon Mitte bereit wäre. Diese Aussage ist höchst verwunderlich. Denn die FAU Berlin hat zuletzt verschiedene relevante Stellen der Partei und ihrer Senatsfraktion sowie Albers selbst mehrfach offiziell mit diesem Anliegen kontaktiert – ohne, dass jemals entsprechend darauf reagiert wurde. Wir arbeiten aber weiterhin daran, Herrn Albers endlich mal persönlich an die Strippe zu bekommen.
Diese ausbleibende Resonanz ist vor allem deshalb inakzeptabel, weil die FAU nach wie vor die Berliner Linkspartei in einer politischen und moralischen Verantwortung für die Zustände im Babylon Mitte sieht. Dabei geht es nicht darum, dass die Partei nicht zur Arbeitgeberseiter gehöre, worauf Albers mehrfach verwies. (mehr…)
Die Nerven der Babylon-Leitung scheinen allmählich blank zu liegen. Als zum Start des Freiluftkinos in Charlottenburg, das ebenso von den Herren Grossman und Hackel betrieben wird, eine stattliche Anzahl FAU-GewerkschafterInnen das Publikum über den Babylon-Arbeitskampf informieren wollte, platzte Timothy Grossman die Hutschnur. Der Maggy Thatcher vom Luxemburg-Platz bemühte sich höchstpersönlich, den Vorplatz des Schlosses von renitenten GewerkschafterInnen zu säubern und hetzte das Sicherheitspersonal auf diese los. Als dies nicht effektiv genug war, kontaktierte er die Polizei und war mit den Worten zu vernehmen: „Die lachen mich aus“. Das tat die Polizei anscheinend auch, ließ sie sich doch dennoch nicht blicken. Zeit für Grossman, die Sache selbst in die Hand zu nehmen! Eigenhändig stürmte er auf die GewerkschafterInnen los und riss ihnen die Flugblätter aus der Hand (ob dies schon als Diebstahl zu werten ist?), in einer Art und Weise, die an Handgreiflichkeit grenzte. Dem nicht genug, ging Grossman auch auf eine zahlende Kundin los, die trotz seiner Vertreibungsaktion auf einem Flugblatt bestand. Als er ihr dieses mit Schaum vor dem Mund aus der Hand riss, fühlte sie sich sichtlich angegriffen. „Don´t touch me!“ schallte es laut über den Vorplatz. Sie und ihre BegleiterInnen blieben schließlich dem Kino fern, so wie auch andere Besuchergruppen.
Interessant: Ungefähr zur selben Zeit leistete sich Theaterleiter Jens Mikat einen Aussetzer, als er vor dem Babylon Mitte einen FAU-Gewerkschafter am Arm packte und wegzuschieben versuchte.
Die FAU Berlin setzt ihre tägliche Präsenz vor den Einrichtungen Grossmans und Hackels fort, so dass es immer wieder Anlässe für kleine Ausraster ihrerseits geben wird. Mal sehen wie lange sich z.B. deren Medienpartner wie Radio Eins es sich leisten können, damit in Verbindung gebracht zu werden. Kein schönes Bild!
