Tag-Archiv für 'grossman'

„Auschwitz“-Premiere: Eklat im Babylon

Seine Kollegen verbitten sich, mit ihm in einem Atemzug genannt zu werden; vielen gilt er als der Schlechteste seiner Zunft. Mit aussichtslosen Klagen macht der Egozentriker, der sich offenbar als Opfer verschworener Mächte wähnt, auf sich aufmerksam. Finanziell ist er trotz allem durchaus erfolgreich: Ein fragwürdiges Finanzierungsystem hat er sich ausgedacht, das seinem Unternehmen Unsummen an Steuergeldern zufließen ließ. Mit der Berlinale hat er sich verkracht. Trotzig hat er zeitgleich zu deren Beginn am vergangenen Sonntag im Babylon den Film „Auschwitz“ vorgestellt.
Preisfrage:
Wer ist gemeint, Timothy Grossman, Geschäftsführer des Babylon, oder Uwe Boll, Regisseur von „Auschwitz“?

Schafft zwei, drei, viele Babylons

Seit dieser Woche ist es amtlich: der Berliner Senat wird 30.000 Euro mehr für das Babylon bereitstellen – zweckgebunden für Lohnerhöhungen. Geht man nach den Darstellungen des ver.di-Verhandlungsführers Andreas Köhn, dann sind diese Erhöhungen folgendermaßen zustande gekommen: es gab keinen Arbeitskampf im Babylon, nur ein paar bezahlte Flugblattverteiler der Basis*** FAU Berlin, die auf die Situation aufmerksam gemacht und einen stillosen Boykott durchgeführt hat; irgendwann wurde ver.di von einem Mitglied im Betrieb angerufen; Landesbezirksvize Köhn hat sich dann, weil es sich beim Babylon wohl um einen so wichtigen Produktionsfaktor in Berlin handelt, zum Retter und die ganze Angelegenheit zur „Chefsache“ erklärt; die Babylon-Bosse konnten es gar nicht abwarten, endlich mal die Bedingungen für ihre MitarbeiterInnen zu verbessern und stimmten prompt Verhandlungen zu (leider ging das ja vorher nicht, weil sie ja keine „richtige“ Gewerkschaft zum Verhandeln gehabt haben); und weil der kühne Köhn ein Gewerkschafter ist, vor dem alle politischen Riegen erzittern, schwang er gleich nochmals seinen Zauberstab, so dass der Senat 30.000 Euro mehr zur Verfügung stellte. So einfach ist das anscheinend.

Da könnte man doch allen ArbeiterInnen nur raten: Rufet schnell Herrn Köhn herbei, der wird es richten! Ein paar fleißige Worte und Arbeitgeber kommen genauso wie Politiker schnell zur Einsicht. Nur seltsam: gleichzeitig zu diesem Geschehen ruft ver.di Berlin zu Protesten gegen den Berliner Kürzungshaushalt auf, von dem viele v.a. im Kultur- und Bildungsbereich betroffen sind. Und das, obwohl sogar ver.di in diesem Bereich zuletzt sogar mit Arbeitskampfmaßnahmen aktiv war. Warum schwingen ver.di-Funktionäre nicht auch hier einfach ihren Zauberstab?
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Freitag: Willkommen im Babylon!

[Anmerkung: Die FAU Berlin ruft seit dem 7.10.2009 nicht mehr zum Boykott des Kino Babylon Mitte auf]

Die Babylon Betriebsgruppe der FAU dankt allen Gästen die in den vergangenen Monaten dem Boykottaufruf der FAU gefolgt sind und das Babylon Mitte mieden. Gegenüber der Geschäftsführung konnte so enormer Druck für den Beginn von Verhandlungen und den Abschluss eines Tarifvertrags mit der FAU aufgebaut werden. Noch immer weigern sich die Geschäftsführer Grossman und Hackel aber mit uns zu verhandeln – der Boykott wird weitergehen.
Unterdessen bietet sich aber eine gute Gelegenheit, das Babylon zu besuchen ohne den Geschäfsführern dadurch Geld hinterher zu werfen:
Am kommenden Freitag veranstaltet „die Linke“ eine „linke Kinonacht“ (Eintritt frei) im Babylon Mitte, zu der auch wir unsere Unterstützerinnen und Unterstützer herzlich einladen. Um 18 Uhr findet eine Diskussion um „linke Medien“ statt. Vielleicht referiert Babylon-Geschäftsführer Timothy Grossman an dieser Stelle darüber wie linke Medien mit Abmahnungen und Prozessen überzogen werden können, nachdem sie kritisch über das Babylon berichteten. Fragen und Diskussionsbeiträge sind sicher sehr willkommen. Um 20 Uhr dann darf man den Herren Gysi und Lederer lauschen. Vielleicht erzählen sie den Kinobesuchern von Mindestlöhnen, vielleicht werden sie auch danach gefragt warum diese nicht im Babylon Mitte bezahlt werden, dafür aber engagierte Mitarbeiter ihren Job verlieren. Die Berliner Linkspartei trägt letztlich die Verantwortung für die Zustände im Babylon, dessen Geschäftsführer sie gegen erhebliche Proteste in Position brachte. Sicher freuen sich aber auch viele linke BesucherInnen und Besucher darüber auf vielfältige Weise über die Zustände im Babylon Mitte informiert zu werden, die Gesprächsthemen im Foyer werden ja hoffentlich nicht wie die Taschen am Eingang auf missliebige politische Inhalte hin untersucht werden. Oder doch?

FAU Betriebsgruppe Babylon

Fragwürdiges Eingreifen von ver.di im Babylon-Konflikt

Presseerklärung – 03.09.09 von FAU Berlin

Im seit Monaten andauernden Arbeitskonflikt im Berliner Kino Babylon Mitte zeichnet sich eine seltsame Entwicklung ab. Wie der Presse vom 03.09.2009 zu entnehmen ist, lädt die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di die Geschäftsleitung der Neuen Babylon GmbH nun zu Tarifverhandlungen. Dies erscheint in verschiedener Hinsicht ominös.
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Knarf

Danke, Redakteurinnen und Redakteure von radioeins. So nett, dass ihr kurz vor dem Interview mit Timothy Grossman Woog Riots‘ Titel Frank Backwards gespielt habt, dessen Refrain ich eben noch mitgesungen habe: „We don’t work for minimum wages!“ Und dann Herrn Grossman mit „the House of Pain“ zu verabschieden – köstlich!
Das Interview zum Freiluftkino Charlottenburg (in Auszügen, sinngemäß, fast wörtlich):

Konstantina Vassiliou-Enz: Was ist wenn es regnet?
Timothy Grossman: Unsere Leinwand ist aus Luft!
Konstantina Vassiliou-Enz: Reden sie sich das Gewitter schön?
Timothy Grossman: Nee. Ich als Veranstalter denke, dass es gut geht.
Konstantina Vassiliou-Enz: Wenn sie ebensoviel Mut und Optimismus haben wie Timothy Grossmann, dann gehen sie einfach hin.

Ok, dem ließe sich widersprechen. Das Interview durfte natürlich nicht kritisch sein, schliesslich besteht da eine „Medienpartnerschaft“, die hat offenbar auch im gebührenfinanzierten Radio Vorrang vor journalistischem Handwerk.