Presseerklärung – 03.09.09 von FAU Berlin
Im seit Monaten andauernden Arbeitskonflikt im Berliner Kino Babylon Mitte zeichnet sich eine seltsame Entwicklung ab. Wie der Presse vom 03.09.2009 zu entnehmen ist, lädt die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di die Geschäftsleitung der Neuen Babylon GmbH nun zu Tarifverhandlungen. Dies erscheint in verschiedener Hinsicht ominös.
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Im Neuen Deutschland gab es eine Vorausschau auf die Kundgebung vorm Babylon. Die Junge Welt wiederum betreibt Nachlese. Beide Artikel sind auch hinsichtlich der Position der Linkspartei interessant (wozu wir ja erst kürzlich etwas geschrieben haben.). Tip Berlin und Tagesspiegel berichteten ebenfalls in längeren Artikeln.

Sind FAU-Gewerkschafter schlimmer als Nazis? Babylon-Geschäftsführer lässt FAU-GewerkschafterInnen und SympathisantInnen aus Kino entfernen.
Timothy Grossman, Geschäftsführer des Kinos Babylon Mitte, lässt keine Gelegenheit aus, sich die Blöße zu geben. Am Mittwoch, den 29. Juli 2009, waren ca. 20 FAU-GewerkschafterInnen und Mitglieder der Anarchosyndikalistischen Jugend (ASJ) einer öffentlichen Einladung des Italienischen Kulturinstituts zu einer Gratis-Filmpremiere gefolgt. Kaum angekommen, wurden einzelne Leute von Grossman persönlich des Hauses verwiesen – wohlgemerkt ohne Begründung. Schließlich meinte er gar: „ihr alle müsst das Haus verlassen“. Wer mit „alle“ gemeint war (etwa das ganze Publikum? Kann uns nur recht sein!), wollte er auf Nachfrage nicht erläutern. Während explizit angesprochene Personen dann tatsächlich dem Verweis folgten, blieben zahlreiche Leute, die sich von den diffusen Verweisformulierungen nicht angesprochen fühlten, im Kinosaal und machten es sich auf Einladung der Veranstalter und Besucher bequem.
Was folgte, war, dass Grossman die Polizei rufen ließ, die schließlich vor dem versammelten Kinopublikum die unliebsamen Leute entfernen ließ und deren Personalien erfasste. Das Publikum solidarisierte sich hingegen und wies Grossman darauf hin, dass die FAU-Gewerkschafter die Veranstaltung nicht gestört hätten. Auch die Veranstalter luden die Gewerkschafter erneut ein, der Veranstaltung beizuwohnen. Den Hinweis von Seiten der Gäste, dass sein Verhalten dem Kino eher schaden würde, würgte Grossman ab und sprach aufgebrachten Gästen ab, sich überhaupt äußern zu dürfen. Er sei hingegen Opfer einer bösen Verschwörung. Der Maggy Thatcher vom Luxemburg-Platz macht, um die Sache abzurunden, seinem Ruf alle Ehre und erstattete gegen acht Leute Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs – eine rechtlich unhaltbare Angelegenheit, können dutzende Leute doch bezeugen, dass diese Personen niemals einen Verweis erhalten hatten. Zudem lässt die FAU Berlin prüfen, ob Timothy Grossman zu diesem Zeitpunkt auch tatsächlich das Hausrecht inne hatte, schließlich war das Babylon Mitte zu diesem Zeitpunkt vom Italienischen Kulturinstitut gemietet. Diese Veranstalter luden ja vor Ort sogar die Aktivisten explizit ein, sich den Film mit ihnen anzuschauen.
Timothy Grossman macht sich als Geschäftsführer mehr und mehr unhaltbar, wie die folgenden Abläufe wieder einmal beweisen. Denn zahlreiche BesucherInnen zeigten sich empört über die Polizeiaktion. Tumultartige Szene waren die Folge, bei denen sich Grossman vor dem versammelten Publikum zu rechtfertigen versuchte und dabei kritische Stimmen sogar verbal angriff, so z.B. auch aus den Reihen der Veranstalter, die darauf hinwiesen, dass der folgende Film („Un giorno e un altro ancorna“) durchaus Sympathie mit kämpfenden ArbeiterInnen wie die des Babylon Mitte ausdrücke. Mehrere Zuschauer verließen schließlich das Babylon Mitte ob des Verhaltens von Grossman.
Das einzige Vergehen, das sich die GewerkschafterInnen und AktivistInnen anscheinend haben zuschulden kommen lassen haben, war, dass sie T-Shirts trugen, auf denen die Solidarität mit der kämpferischen Babylon-Belegschaft zum Ausdruck gebracht wurde. Das verdient einiges Interesse. Denn am Tag zuvor waren anlässlich der Premiere eines Hertha-Fanfilms zahlreiche Personen im Babylon Mitte zugegen, die an ihren T-Shirts eindeutig als Nazis zu erkennen waren. Es ist nichts davon bekannt, dass diese Art von Gästen ein Hausverbot erhalten hätten.
Offensichtlich sägt Timothy Grossman immer weiter an dem Ast, auf dem er sitzt.
Quelle: Indymedia
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Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen haben die Geschäftsführer Timothy Grossman und Tobias Hackel einen befristeten Arbeitsvertrag im Babylon Mitte nicht verlängert. Erklärt wurde das erneut nicht etwa mit rückläufigen Besucherzahlen, fehlendem Geld oder Beteiligung an „illegalen“ Betriebsversammlungen, nein der Betriebsrat sei daran Schuld, daß man sich leider vom Mitarbeiter trennen müsse. Da der Betriebsrat seine Rechte wahrnimmt und dies nicht immer im Einklang mit der Geschäftsführung, muss der Betriebsrat weg – oder zumindest seine Mitbestimmungsrechte. Viele dieser Rechte sind an eine Mitarbeiterzahl von in der Regel mehr als 2o gebunden. Damit der Betriebsrat diese „hinderlichen“ Rechte einbüßt, verlieren im halbkommunalen Kino Babylon Mitte die Beschäftigten ihre Arbeit, oder werden zum Schein in Grossmanns und Hackels „Zweitfirma“ ausgegliedert, und dann von dieser „zurückgeliehen“.
Schon kurz nach der erstmaligen Wahl eines Betriebsrats im November 2008 sahen sich die drei Mitglieder mit dubioser Versetzung in den Keller, unsauberer Kündigung und anderen Maßnahmen ausgesetzt, die von Kritikern als unerlaubte Maßregelung eingeschätzt werden.