Tag-Archiv für 'kultur'

Rocking all over the world

uniteUnite aus Neuseeland (Bild oben), MASA aus Kroatien (Bild unten) und die Pariser CNT AIT haben uns wie viele andere ihre Unterstützung angeboten und schreiben uns von den Konflikten die sie in Kinos auch am anderen Ende der Welt führen. Das anarchosyndikalistische Netzwerk MASA bittet um Mithilfe die Geschäftsführung der Broadway Kinos davon zu überzeugen, ausstehende Löhne auszuzahlen:

Broadway is cinema multiplex in Croatia. We once fought against them, because they didn‘t pay our comrade and his work colleagues. That time, we wrote a letter to the management, but they didn‘t reply. After that we made action, and gave the story to media. Owner got scared, he threatened to sue us, but after a few days he paid our comrades and workers and that was the end of our action.
Right now we have problems with them again. Why? A Group of 12 students from Split were interviewed by a local paper called Slobodna Dalmacija (Eng. Free Dalmatia). They said the Broadway management hasn’t paid them for their work, etc. We were also contacted by 3 workers from Zagreb, which haven’t been paid from 2005 for their work in the same cinema.

So what we want, what we demand from the cinema management is to pay these people.

Dem schließen wir uns an. Dieses Schreiben an die Geschäftsführung zu senden, könnte helfen.
MASA ruft zum Boykott des Broadway auf.
broadway boykott

Knarf

Danke, Redakteurinnen und Redakteure von radioeins. So nett, dass ihr kurz vor dem Interview mit Timothy Grossman Woog Riots‘ Titel Frank Backwards gespielt habt, dessen Refrain ich eben noch mitgesungen habe: „We don’t work for minimum wages!“ Und dann Herrn Grossman mit „the House of Pain“ zu verabschieden – köstlich!
Das Interview zum Freiluftkino Charlottenburg (in Auszügen, sinngemäß, fast wörtlich):

Konstantina Vassiliou-Enz: Was ist wenn es regnet?
Timothy Grossman: Unsere Leinwand ist aus Luft!
Konstantina Vassiliou-Enz: Reden sie sich das Gewitter schön?
Timothy Grossman: Nee. Ich als Veranstalter denke, dass es gut geht.
Konstantina Vassiliou-Enz: Wenn sie ebensoviel Mut und Optimismus haben wie Timothy Grossmann, dann gehen sie einfach hin.

Ok, dem ließe sich widersprechen. Das Interview durfte natürlich nicht kritisch sein, schliesslich besteht da eine „Medienpartnerschaft“, die hat offenbar auch im gebührenfinanzierten Radio Vorrang vor journalistischem Handwerk.

Timothy Grossman – Der Margaret Thatcher vom Rosa-Luxemburg-Platz

Mit stählerner Faust lehrt Timothy Grossman renitenten GewerkschafterInnen Respekt: Tag für Tag werden potentielle KinobesucherInnen vor den Türen des derzeit von Grossman (und Hackel) bewirtschafteten Lichtspielhauses am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin Mitte über die dortigen Arbeitsbedingungen und die Verhandlungsweigerung der Geschäftsführung aufgeklärt; nicht wenige Kultursuchende überlegen sich den Besuch im Kino noch einmal, bevor sie wieder gehen, ohne in den Genuss des kommunalen Filmprogramms gekommen zu sein.
Doch Geschäftsführer Grossman schlägt mit himmelsgleicher Macht zurück! Die während der derzeit immer wieder niederkommenden Regenschauer unter den Gesimsen des Poelzig-Baus schutzsuchenden, flugblattverteilenden GewerkschafterInnen der Freien Arbeiterinnen und Arbeiter Union verweist der Mogul vom Babylon erbarmungslos ins Fadenkreuz der himmlischen Wasserwerfer! Seit Margaret Thatcher ging keiner so grausam mit Gewerkschaftern ins Gericht. „Dort ist er! Grossman, der Thatcher vom Luxemburg-Platz!“ schallt es nun angsterfüllt nachts durchs Scheunenviertel, wenn Grossman der Rächer rücksichtslos Plakate und Flugblätter von Mülltonnen und Stromkästen zu schaben droht, die doch nur Kund tun von seiner rigiden Haltung gegenüber seiner Arbeiterschaft. Auch diese Beschäftigten im Babylon Mitte verdrehen nun nicht mehr kichernd die Augen, wenn der uneingeschränkte Herrscher der drei Säle, der Mogul von Babylon, Timothy der Eiserne ihnen den Rücken kehrt. Denn er ist es, der GewerkschafterInnen im Regen stehen zu lassen vermag und von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen droht, sollten sie sich bei Niederschlägen unter das Vordach „seines“ Einganges stellen. mit eiserner Faust hat Timothy Grossman klar gemacht, wo es in den anstehenden Haustarifvertragsverhandlungen langgehen wird. Respekteinflössender und ehrgebietender kann ein Geschäftsführer nicht auftreten. Kaum einer in der Berliner Kinoszene wird nicht miteinstimmen: Respekt, Timothy Grossman, Respekt!

Euer Kampf ist auch unserer Kampf.

Solidaritätserklärung des Komitee „Solidarität mit Emmely“ mit den ArbeiterInnen beim Kino Babylon Mitte vom 17.7.2009

Liebe Leute vom Kino Babylon Mitte,

wir verfolgen den Kampf eurer Belegschaft bereits seit Monaten und einige von uns waren auch bei euren Protestaktionen anwesend. Es ist ein Skandal, dass sich die Geschäftsführung des Babylon weigert, über den Haustarifvertrag zu verhandeln. Immer häufiger ist der linke Anspruch von kulturellen Institutionen nur noch ein symbolischer, die Arbeitsbedingungen dagegen sind in zunehmenden Maße genauso beschissen wie woanders auch. Wir unterstützen euch in eurem Kampf um mehr Geld, um sichere Arbeitsplätze und gegen eine Auslagerung in ein fiktives Zweitunternehmen. Diese ganze Politik von Lohnkürzungen, Aufspaltung der Belegschaften und Beschäftigungsabbau kennen wir genauso aus dem Einzelhandel. Nun trifft es mehr und mehr Bereiche. Es ist wichtig, dass wir in dieser Krise, wo versucht wird, alle Lasten den abhängig Beschäftigten aufzubürden, Solidarität aufbauen und zusammen halten. Euer Kampf ist auch unserer Kampf.
Auch der Kampf von Emmely geht weiter: Am 28. Juli wird das Bundesarbeitsgericht entscheiden, ob es eine Revision annimmt. Für den Herbst planen wir weitere Aktionen zu Emmelys Fall, der auch weiterhin das Interesse der Öffentlichkeit erregt.
Wir wünschen euch alles Gute und viel Durchhaltevermögen für euren Kampf und unterstützen mit Nachdruck den Boykott des Kino Babylon Mitte!

Mit kämpferischen Grüßen,
Jörg Nowak für das Komitee „Solidarität mit Emmely“

Boykott? Streikt doch!

(Anmerkung: Die FAU Berlin ruft seit dem 07.10.2009 nicht mehr zum Boykott des Babylon Mitte auf.)

Auf Anfrage wieso dem Boykott nicht schon ein Streik gefolgt ist, antwortet die FAU Betriebsgruppe im Babylon Mitte so:

Der Streik ist in unseren Augen das letzte Mittel im Arbeitskampf und wir hoffen, nicht durch eine noch länger anhaltende Kommunikationsverweigerung der Geschäftsführung auch noch zum Streik gezwungen zu werden. Im Babylon Mitte, das zum großen Teil nicht von kommerziellem Erfolg, sondern von hoher öffentlicher Förderung abhängig ist, kann ein Streik auch nur unter besonderen Bedingungen finanziellen Druck zur Einigung der Tarifparteien aufbauen. Zudem ist seit Beginn unserer Öffentlichkeitsarbeit schon ein deutlicher Besucherrückgang zu registrieren. Erstmals werden in diesem Monat zwei der drei Kinosäle für längere Zeit geschlossen bleiben. Unser Boykottaufruf lässt Kino und Kasse noch leerer werden. Zu streiken, wenn sowieso keiner mehr kommt macht wenig Sinn. Potentiellen Veranstaltern im Babylon Mitte können wir nur empfehlen zu prüfen ob der Ruf, den sich die Babylon-Geschäftsleitung gerade aufbaut zu ihrer Veranstaltung passt. Mit ungewöhnlich wenig Besuchern muss während des Boykotts von allen gerechnet werden.
Der rot-rote Senat schweigt bisher zu all dem. Vom Sprecher des Kulturstaatssekretärs war lediglich zu hören „die Politik“ dürfe sich nicht in Arbeitskämpfe einmischen, wenn sie nicht Arbeitgeber sei. Die Tarifautonomie achten auch wir als Gewerkschaft, sehen den Senat aber angesichts der immensen Fördergelder eben doch zu einem guten Teil in der Verantwortung eines Arbeitgebers. Durch unseren Aufruf zum Boykott möchten wir daher nicht nur auf die Geschäftsführung des Babylon Mitte einwirken, sondern auch dem rot-roten Senat den Denkanstoß vermitteln, seine Förderung besser an Standards zu knüpfen, die es einem breiten Publikum wieder ermöglichen das Babylon Mitte guten Gewissens zu besuchen.
Wir sind uns sicher gemeinsam mit der Geschäftsführung die Attraktivität des Babylon Mitte durch angemessene Arbeitsbedingungen auch für die jetzt ausbleibenden Besucher wieder enorm steigern zu können. Um diese Position zu untermauern bitten wir die boykottierenden Ex-Besucher die vorbereitete Erklärung zu nutzen.