FAU: Verboten Kämpferisch! Gewerkschaftsfreiheit verteidigen!

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Fragwürdiges Eingreifen von ver.di im Babylon-Konflikt

Presseerklärung – 03.09.09 von FAU Berlin

Im seit Monaten andauernden Arbeitskonflikt im Berliner Kino Babylon Mitte zeichnet sich eine seltsame Entwicklung ab. Wie der Presse vom 03.09.2009 zu entnehmen ist, lädt die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di die Geschäftsleitung der Neuen Babylon GmbH nun zu Tarifverhandlungen. Dies erscheint in verschiedener Hinsicht ominös.
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Do, 27.08.: Videokundgebung vorm Babylon

[Anmerkung: Die FAU Berlin ruft seit dem 7.10.2009 nicht mehr zum Boykott des Kino Babylon Mitte auf]

Organisiert vom Mayday-Bündnis Berlin, findet am Donnerstag, 27. August, um 20 Uhr vor dem Kino Babylon Mitte eine Videokundgebung zur Unterstützung unseres Kampfes statt. Seid solidarisch! Kommt zahlreich! Sagt es weiter! Im folgenden der Aufruf des Mayday-Bündnisses:

Prekäre Arbeitsverhältnisse überall angreifen!

Unterstützt die kämpfende Belegschaft des Babylon!

Seit Mitte Juni wird im Kino Babylon Mitte ein Arbeitskampf geführt. Hintergrund ist die Weigerung der Geschäftsführung, (mehr…)

Kleine Rundschau

TAZ, DA, Netzwerk IT, IWW Austria, Telepolis

Hausverbot für alle? Neuer Eklat im Babylon.

kinoräumung

Sind FAU-Gewerkschafter schlimmer als Nazis? Babylon-Geschäftsführer lässt FAU-GewerkschafterInnen und SympathisantInnen aus Kino entfernen.
Timothy Grossman, Geschäftsführer des Kinos Babylon Mitte, lässt keine Gelegenheit aus, sich die Blöße zu geben. Am Mittwoch, den 29. Juli 2009, waren ca. 20 FAU-GewerkschafterInnen und Mitglieder der Anarchosyndikalistischen Jugend (ASJ) einer öffentlichen Einladung des Italienischen Kulturinstituts zu einer Gratis-Filmpremiere gefolgt. Kaum angekommen, wurden einzelne Leute von Grossman persönlich des Hauses verwiesen – wohlgemerkt ohne Begründung. Schließlich meinte er gar: „ihr alle müsst das Haus verlassen“. Wer mit „alle“ gemeint war (etwa das ganze Publikum? Kann uns nur recht sein!), wollte er auf Nachfrage nicht erläutern. Während explizit angesprochene Personen dann tatsächlich dem Verweis folgten, blieben zahlreiche Leute, die sich von den diffusen Verweisformulierungen nicht angesprochen fühlten, im Kinosaal und machten es sich auf Einladung der Veranstalter und Besucher bequem.
Was folgte, war, dass Grossman die Polizei rufen ließ, die schließlich vor dem versammelten Kinopublikum die unliebsamen Leute entfernen ließ und deren Personalien erfasste. Das Publikum solidarisierte sich hingegen und wies Grossman darauf hin, dass die FAU-Gewerkschafter die Veranstaltung nicht gestört hätten. Auch die Veranstalter luden die Gewerkschafter erneut ein, der Veranstaltung beizuwohnen. Den Hinweis von Seiten der Gäste, dass sein Verhalten dem Kino eher schaden würde, würgte Grossman ab und sprach aufgebrachten Gästen ab, sich überhaupt äußern zu dürfen. Er sei hingegen Opfer einer bösen Verschwörung. Der Maggy Thatcher vom Luxemburg-Platz macht, um die Sache abzurunden, seinem Ruf alle Ehre und erstattete gegen acht Leute Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs – eine rechtlich unhaltbare Angelegenheit, können dutzende Leute doch bezeugen, dass diese Personen niemals einen Verweis erhalten hatten. Zudem lässt die FAU Berlin prüfen, ob Timothy Grossman zu diesem Zeitpunkt auch tatsächlich das Hausrecht inne hatte, schließlich war das Babylon Mitte zu diesem Zeitpunkt vom Italienischen Kulturinstitut gemietet. Diese Veranstalter luden ja vor Ort sogar die Aktivisten explizit ein, sich den Film mit ihnen anzuschauen.
Timothy Grossman macht sich als Geschäftsführer mehr und mehr unhaltbar, wie die folgenden Abläufe wieder einmal beweisen. Denn zahlreiche BesucherInnen zeigten sich empört über die Polizeiaktion. Tumultartige Szene waren die Folge, bei denen sich Grossman vor dem versammelten Publikum zu rechtfertigen versuchte und dabei kritische Stimmen sogar verbal angriff, so z.B. auch aus den Reihen der Veranstalter, die darauf hinwiesen, dass der folgende Film („Un giorno e un altro ancorna“) durchaus Sympathie mit kämpfenden ArbeiterInnen wie die des Babylon Mitte ausdrücke. Mehrere Zuschauer verließen schließlich das Babylon Mitte ob des Verhaltens von Grossman.
Das einzige Vergehen, das sich die GewerkschafterInnen und AktivistInnen anscheinend haben zuschulden kommen lassen haben, war, dass sie T-Shirts trugen, auf denen die Solidarität mit der kämpferischen Babylon-Belegschaft zum Ausdruck gebracht wurde. Das verdient einiges Interesse. Denn am Tag zuvor waren anlässlich der Premiere eines Hertha-Fanfilms zahlreiche Personen im Babylon Mitte zugegen, die an ihren T-Shirts eindeutig als Nazis zu erkennen waren. Es ist nichts davon bekannt, dass diese Art von Gästen ein Hausverbot erhalten hätten.
Offensichtlich sägt Timothy Grossman immer weiter an dem Ast, auf dem er sitzt.

Quelle: Indymedia
Lizenz: creative commons Attribution-Share Alike

Timothy Grossman – Der Margaret Thatcher vom Rosa-Luxemburg-Platz

Mit stählerner Faust lehrt Timothy Grossman renitenten GewerkschafterInnen Respekt: Tag für Tag werden potentielle KinobesucherInnen vor den Türen des derzeit von Grossman (und Hackel) bewirtschafteten Lichtspielhauses am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin Mitte über die dortigen Arbeitsbedingungen und die Verhandlungsweigerung der Geschäftsführung aufgeklärt; nicht wenige Kultursuchende überlegen sich den Besuch im Kino noch einmal, bevor sie wieder gehen, ohne in den Genuss des kommunalen Filmprogramms gekommen zu sein.
Doch Geschäftsführer Grossman schlägt mit himmelsgleicher Macht zurück! Die während der derzeit immer wieder niederkommenden Regenschauer unter den Gesimsen des Poelzig-Baus schutzsuchenden, flugblattverteilenden GewerkschafterInnen der Freien Arbeiterinnen und Arbeiter Union verweist der Mogul vom Babylon erbarmungslos ins Fadenkreuz der himmlischen Wasserwerfer! Seit Margaret Thatcher ging keiner so grausam mit Gewerkschaftern ins Gericht. „Dort ist er! Grossman, der Thatcher vom Luxemburg-Platz!“ schallt es nun angsterfüllt nachts durchs Scheunenviertel, wenn Grossman der Rächer rücksichtslos Plakate und Flugblätter von Mülltonnen und Stromkästen zu schaben droht, die doch nur Kund tun von seiner rigiden Haltung gegenüber seiner Arbeiterschaft. Auch diese Beschäftigten im Babylon Mitte verdrehen nun nicht mehr kichernd die Augen, wenn der uneingeschränkte Herrscher der drei Säle, der Mogul von Babylon, Timothy der Eiserne ihnen den Rücken kehrt. Denn er ist es, der GewerkschafterInnen im Regen stehen zu lassen vermag und von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen droht, sollten sie sich bei Niederschlägen unter das Vordach „seines“ Einganges stellen. mit eiserner Faust hat Timothy Grossman klar gemacht, wo es in den anstehenden Haustarifvertragsverhandlungen langgehen wird. Respekteinflössender und ehrgebietender kann ein Geschäftsführer nicht auftreten. Kaum einer in der Berliner Kinoszene wird nicht miteinstimmen: Respekt, Timothy Grossman, Respekt!

Boykott? Streikt doch!

(Anmerkung: Die FAU Berlin ruft seit dem 07.10.2009 nicht mehr zum Boykott des Babylon Mitte auf.)

Auf Anfrage wieso dem Boykott nicht schon ein Streik gefolgt ist, antwortet die FAU Betriebsgruppe im Babylon Mitte so:

Der Streik ist in unseren Augen das letzte Mittel im Arbeitskampf und wir hoffen, nicht durch eine noch länger anhaltende Kommunikationsverweigerung der Geschäftsführung auch noch zum Streik gezwungen zu werden. Im Babylon Mitte, das zum großen Teil nicht von kommerziellem Erfolg, sondern von hoher öffentlicher Förderung abhängig ist, kann ein Streik auch nur unter besonderen Bedingungen finanziellen Druck zur Einigung der Tarifparteien aufbauen. Zudem ist seit Beginn unserer Öffentlichkeitsarbeit schon ein deutlicher Besucherrückgang zu registrieren. Erstmals werden in diesem Monat zwei der drei Kinosäle für längere Zeit geschlossen bleiben. Unser Boykottaufruf lässt Kino und Kasse noch leerer werden. Zu streiken, wenn sowieso keiner mehr kommt macht wenig Sinn. Potentiellen Veranstaltern im Babylon Mitte können wir nur empfehlen zu prüfen ob der Ruf, den sich die Babylon-Geschäftsleitung gerade aufbaut zu ihrer Veranstaltung passt. Mit ungewöhnlich wenig Besuchern muss während des Boykotts von allen gerechnet werden.
Der rot-rote Senat schweigt bisher zu all dem. Vom Sprecher des Kulturstaatssekretärs war lediglich zu hören „die Politik“ dürfe sich nicht in Arbeitskämpfe einmischen, wenn sie nicht Arbeitgeber sei. Die Tarifautonomie achten auch wir als Gewerkschaft, sehen den Senat aber angesichts der immensen Fördergelder eben doch zu einem guten Teil in der Verantwortung eines Arbeitgebers. Durch unseren Aufruf zum Boykott möchten wir daher nicht nur auf die Geschäftsführung des Babylon Mitte einwirken, sondern auch dem rot-roten Senat den Denkanstoß vermitteln, seine Förderung besser an Standards zu knüpfen, die es einem breiten Publikum wieder ermöglichen das Babylon Mitte guten Gewissens zu besuchen.
Wir sind uns sicher gemeinsam mit der Geschäftsführung die Attraktivität des Babylon Mitte durch angemessene Arbeitsbedingungen auch für die jetzt ausbleibenden Besucher wieder enorm steigern zu können. Um diese Position zu untermauern bitten wir die boykottierenden Ex-Besucher die vorbereitete Erklärung zu nutzen.

Tarifvorsorge

Um 16 Millionen sollen die konsumptiven Ausgaben im Kulturhaushalt Berlins Jahr für Jahr gesteigert werden. 10 Millionen davon werden für die Tarifvorsorge landeseigener Kultueinrichtungen verwendet. Gut für alle die davon profitieren.
OffKultur und freie Szene gehören nicht dazu, wie wir im Babylon Mitte fordern deshalb Berliner Künstlerinnen und Künstler aus der freien Tanz- und Theaterszene finanzielle Mindeststandards und rufen zur Unterstützung des Projekts Honoraruntergrenze auf.

Boykott gegen das Babylon Mitte!

(Anmerkung: Die FAU Berlin ruft seit dem 07.10.2009 nicht mehr zum Boykott des Babylon Mitte auf.)

Seit Mitte Juni wird im Kino Babylon Mitte ein Arbeitskampf geführt. Hintergrund ist, dass die Geschäftsleitung sich weigert, über einen Haustarifvertrag zu verhandeln, der von der Gewerkschaft FAU in enger Zusammenarbeit mit der Belegschaft entworfen wurde. Dieser Tarifvertrag fordert Löhne auf einem würdigen Niveau, Nacht- und Feiertagszuschläge, die sofortige Umwandlung aller befristeten in unbefristete Verträge, eine ordentliche Entlohnung von PraktikantInnen, kurzum: das sofortige Ende prekärer Verhältnisse im Babylon Mitte. Aufgrund der fortdauernden Sturheit der Geschäftsleitung sieht sich nun die Gewerkschaft gezwungen, zu einem Mittel zu greifen, dass sie gerne vermieden hätte:

Die FAU-Betriebsgruppe Babylon Mitte und die FAU Berlin appellieren an alle, das Kino Babylon Mitte solange zu meiden, bis die Geschäftsleitung ernsthafte Verhandlungen mit der Gewerkschaft aufgenommen hat. Die FAU macht damit von ihrem legitimen Recht Gebrauch, als Gewerkschaft zum Boykott aufzurufen. Boykottaufrufe stehen unter dem Schutz des Artikels 5 im Grundgesetz (Meinungsfreiheit) und sind vom Bundesarbeitsgericht als legitimes Arbeitskampfmittel anerkannt.

Sie als zahlende Gäste des Babylon Mitte haben eine entscheidende Einflussmöglichkeit, um die Belegschaft des Babylon in ihrem Arbeitskampf zu unterstützen. Zeigen Sie sich solidarisch und bleiben Sie dem Babylon Mitte fern, solange die Geschäftsleitung nicht zu Verhandlungen bereit ist.

Teilen Sie ebenso Ihr Fernbleiben und die Gründe der Babylon-Geschäftsleitung mit. Ein Musterschreiben finden Sie hier.

Sobald im Babylon Mitte die eingeforderten Arbeitsbedingungen herrschen, können Sie wieder — und dann umso mehr — mit bestem Gewissen das Babylon Mitte besuchen.

Blog mit Hintergründen und aktuellen Informationen:
http://prekba.blogsport.de

Pressemitteilung der FAU Berlin:
http://www.fau.org/artikel/art_090713-131147

Pressekontakt (Lars Röhm):
Mobil – 01577 / 849 10 72
E-Mail – faub5@fau.org

Besser Streiken!

Wie können die Streiks prekärer WissensarbeiterInnen aussehen? Wie sehen queere Streikpraktiken aus? Wie zeigen sich Streiks im Kulturbetrieb? Wie nicht arbeiten, aber nicht aufhören, darüber zu sprechen? Über: Bummelstreik, Warnstreik, Aussperrung, Streikbrecher, Beziehungsstreik, Konsumstreik, Sabotage, Boykott und Walk Out?

Vom 17.-19.7.09 werden auf der Streik Academy in Bremen von rund 30 Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen Dokumentationen von Streiks vorgestellt und Strategien des „Besser Streikens“ eingeübt.

Einer Menge wichtiger Fragen widmet sich die Streik Academy in Bremen. Unter den Teilnehmenden und Veranstaltenden finden wir einige UnterstützerInnen wieder. Auch uns bekannte Kämpfe wie der Scheiß-Streik und Emmely stehen auf dem Lehrplan. Ob der Streik Academy die Verknüpfung mit der real-existierenden Arbeitswelt gelingt?

Mit Händen und Füßen

Mit allen Mitteln versucht die Geschäftsführung des Babylon Mitte gegen die eigenen Beschäftigten vorzugehen. War die FAU, die Gewerkschaft die der Geschäftsleitung kürzlich einen Haustarifvertrag vorlegte bislang Ziel der Angriffe, konzentrieren sich die Geschäftsleiter Timothy Grossman und Tobias Hackel mit Hilfe des Theaterleiters Jens Mikat mit ihrem neuesten Streich auf den Betriebsrat:
Den Anfang machte Theaterleiter Mikat bei der Betriebsversammlung am vergangenen Montag, auf der er vorgab in ein und derselben Sache durchaus vor Gericht den Arbeitgeber zu vertreten, in der Bertiebsversammlung aber ausschließlich als Arbeitnehmer aufzutreten (In dem laufenden Verfahren geht es um verletzte Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats, eine Einigungsvorschlag schlug Mikat als Vertreter der Geschäftsleitung aus). Nachdem sein Versuch scheiterte, den Betriebsrat mit der Vernachlässigung seiner Mitbestimmungsrechte zu beauftragen, legte nun die offfizielle Geschäftsleitung nach:
Zwei Beschäftigte der Babylon GmbH werden, so die Ankündigung der Geschäftsleitung, ihre bisherige Funktion im Babylon auch weiterhin ausführen, sind aber ab sofort bei der K&K GmbH beschäftigt, die praktischerweise auch von Grossman und Hackel betrieben wird und unter der Adresse der Babylon Verwaltung firmiert. Durch diese Maßnahme hoffen die beiden die Beschäftigtenanzahl auf weniger als 20 zu reduzieren, eine Grenze, ab der der Betriebsrat entscheidende Mitbestimmungsrechte verliert. Ob sich hier wieder ein kostenintensives juristisches Nachspiel ankündigt bleibt zu prüfen.
Viele Mitarbeiter fühlen sich mehr und mehr um ihre Rechte gebracht.